Interview mit der Buchbloggerin von »Schatz, ich will ein Buch von dir!«

Veröffentlicht von: Leserkanone.de
Veröffentlicht am: 21.10.2015 23:33
Rubrik: Gesellschaft & Kultur


(Presseportal openBroadcast) - Ob ein Buch erfolgreich wird oder nicht, hängt heutzutage oft davon ab, wie Buchblogger darüber richten. Zum siebenundsechzigsten Mal gingen die Redakteure der Literaturplattform www.leserkanone.de auf Blogbesuch und schauten einer Bloggerin bei ihrer Arbeit über die Schulter. Sie sprachen mit der Bloggerin von http://schatzichwilleinbuchvondir.blogspot.de darüber, wie sie zum Bloggen kam, welche Bücher sie rezensiert, auf welche Aspekte sie dabei ihr Hauptaugenmerk legt und was man in ihrem Blog über Rezensionen hinaus finden kann.

– Wer steckt hinter »Schatz, ich will ein Buch von dir«? Seit wann gibt es Ihren Blog? Was hat Sie damals dazu gebracht, ihn zu erschaffen?

Hinter diesem Blog stecke ich, Bianca, 33 Jahre, wohnhaft im schönen unterfränkischen Würzburg. Meinen Blog gibt es seit März 2013. Damals hatte ich nach Abschluss meines geisteswissenschaftlichen Studiums unfreiwillig viel Zeit, weil mein Typ auf dem Arbeitsmarkt nicht sonderlich gefragt war. Dadurch fand ich wieder meine Liebe zum Lesen, die mir während des Studiums leider abhanden gekommen war – ich musste dafür einfach zu viele Fachbücher wälzen.

Das viele Lesen, die Ablenkung durch das Eintauchen in andere Welten und die geistige Anstrengung retteten mich vor der völligen Verblödung – Menschen, die schonmal eine gewisse Zeit ohne Arbeit waren, verstehen vielleicht, was ich meine... Durch eine Freundin stieß ich dann auf die Buchcommunity »LovelyBooks« und fing an, Bücher zu rezensieren. Das machte mir so viel Spaß, dass ich irgendwann beschloss, meine Rezensionen auch in meinem eigenen Blog zu veröffentlichen.

Kurz nach Entstehung meines Bücherblogs war ich zum Glück zwar wieder berufstätig, aber mein liebgewonnenes Hobby wollte ich mir nicht mehr nehmen lassen, auch wenn ich jetzt natürlich weniger Zeit zum Lesen und Bloggen habe.

– Wie viele Bücher lesen bzw. rezensieren Sie im Schnitt? Lesen Sie immer nur ein Buch, oder lesen Sie mehrere Bücher parallel?

Ich führe keine Statistik darüber, es ist auch abhängig davon, ob ich gerade in einer Praktikums- oder Schulphase stecke und auf Klausuren lernen muss, da ich gerade mitten in der Ausbildung stecke. Im Schnitt lese ich wohl circa zwei Bücher die Woche, die ich auch meist rezensiere, wobei ich die Rezension auch nicht immer direkt im Anschluss schaffe... Wenn ich Urlaub habe, geht da natürlich mehr.

Mittlerweile lese ich auch mal mehrere Bücher parallel, idR ist dann aber maximal ein Buch davon ein Roman, der Rest sind Sachbücher. Wenn ich zwei Geschichten gleichzeitig lese, kann es nämlich passieren, dass ich Ereignisse oder Personen vermische.

– Was macht für Sie ein »gutes Buch« aus? Auf welche Faktoren legen Sie beim Lesen und Bewerten Ihr Hauptaugenmerk und warum?

Da spielen natürlich mehrere Faktoren zusammen. Der Schreibstil sollte angenehm sein – ich mag es nicht, wenn ein Buch total hochgestochen geschrieben wird à la »Schaut mal, wie eloquent ich bin!« oder wenn es sich in ermüdend langen Landschaftsbeschreibungen ergeht. Ich muss mich nicht immer mit den Protagonisten identifizieren können, aber wenn mir die Figuren gänzlich unsympathisch sind, macht mir ein Buch auch weniger Spaß. Im Endeffekt muss mich das Buch unterhalten, ich muss mich damit wohlfühlen und es gerne lesen. Bei Sachbüchern lege ich Wert darauf, dass sie einigermaßen objektiv und sauber recherchiert sind sowie einen gewissen Informationsgehalt bieten.

– Sind Sie auf spezielle Buchgenres spezialisiert? Wenn ja, was gefällt Ihnen an diesen Genres besonders? Gibt es Buchgenres, die Sie generell gar nicht lesen?

Ein Lieblingsgenre habe ich nicht, ich lese von Autobiographien über Chick Lit bis zu Sachbüchern alles, was sich für mich interessant anhört. Wenig ansprechend finde ich allerdings Thriller und historische Romane.

– Lesen Sie nur Verlagsproduktionen, oder besprechen Sie auch die Bücher von Selfpublishern? Was halten Sie generell davon, dass immer mehr Bücher in Eigenregie produziert werden?

Meist rezensiere ich Verlagsproduktionen, da diese stärker beworben werden und ich deshalb eher auf sie aufmerksam werde. Aber ich rezensiere auch Bücher von Selfpublishern, wenn diese mich anfragen oder ich anderweitig über ihr Buch stolpere und mir der Klappentext zusagt. Der Vorteil an Selfpublishing ist, dass man in der Regel einen intensiveren Kontakt zu den Autoren hat, die meist nicht über den Verlag, sondern persönlich anfragen und denen dann auch die »Betreuung« der Rezensenten wichtig ist.

Ich finde es toll für Autoren, dass es die Möglichkeit gibt, das eigene Werk zu verlegen, selbst wenn man noch keinen Verlag gefunden hat. Nur weil einen niemand verlegen will, heißt es ja nicht, dass das Buch nicht gut ist. Aber wenn man sich mal umschaut, was es mittlerweile an eBooks gibt... da ist viel Schönes dabei, aber manchmal auch ganz schön viel Unsinn, weil auch viele Leute auf den Selfpublishing-Zug aufspringen, die eigentlich kein Talent zum Schreiben haben. Andererseits kann man ja dann immer noch aussortieren und selbst entscheiden, ob man etwas lesen will oder nicht. Aber darunter leiden halt eventuell auch die wirklich guten Werke, die im immer unübersichtlicheren Überangebot untergehen.

– Warten Sie darauf, dass Autoren oder Verlage Sie anschreiben und Ihnen Rezensionsexemplare anbieten, oder wenden Sie sich selbst an sie? Oder rezensieren Sie gar nur die Bücher, die Sie sich selbst kaufen?

Also ich maße mir nicht an zu erwarten, dass mir die Rezensionsexemplare einfach so zufliegen. Ich bin aber auch etwas schüchtern darin, Autoren oder Verlage konkret nach einem Buch zu fragen, das habe ich bis jetzt vielleicht zweimal gemacht. Den Großteil der von mir rezensierten Bücher erhalte ich über Plattformen wie LovelyBooks, Vorablesen oder »Was liest du?«, auf denen ich mich ganz normal für ein Buch bewerbe. Mittlerweile gibt es auch das Bloggerportal von Randomhouse, in dem man (fast) alle Bücher aus dem Randomhouse-Verlagsprogramm mit nur einem Klick anfordern kann - das ist für jemanden wie mich wie ein riesiger Süßigkeitenladen!

Ab und an werde ich aber auch direkt von einem Verlag oder einem Autor angeschrieben, ob ich etwas rezensieren möchte. Über solche Anfragen freue ich mich sehr, denn ich bin immer glücklich, wenn jemand auf meinen Blog stößt und meine Arbeit so gut findet, dass er von mir eine Rezension haben möchte. Mit einer Hand voll Verlagen und Autoren stehe ich in regelmäßigem Kontakt und bekomme dann auch neue Projekte zeitnah vorgestellt, das finde ich sehr schön.

– Welches Buch oder welche Bücher sind Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben, seitdem Sie Ihren Blog gestartet haben? Was gefiel Ihnen an ihnen ganz besonders gut?

Ohje, ich habe seitdem so viele Bücher gelesen, dass ich gar nicht alle aufzählen kann, die ich super fand. Um nur ein paar zu nennen, die mich wirklich mitgerissen haben: Das wären im Belletristikbereich z. B. »Wunder« (R.J. Palacio), »Sonntags bei Sophie« (C. Sternberg), »Henning flieht vor dem Vergessen« (H. Röder) oder »Die Liebe zu so ziemlich allem« (C. Vogeley). Diese Bücher haben mich emotional total mitgerissen.

Und gerade auch im Sachbuchbereich habe ich viele informative und toll recherchierte Schätze entdeckt wie zum Bespiel »Frauenpower auf Arabisch« (K. El-Gawhary), »Ausgerechnet Kabul« (R. Von Wurmb-Seibel) oder das gerade erst erschienene »Mich hat Auschwitz nie verlassen« (S. Beyer & M. Doerrie).

Ich glaube, auf die meisten dieser Bücher wäre ich allein durch das Stöbern in Buchhandlungen gar nicht gestoßen, zumal der Großteil davon keine stark beworbenen Bestseller waren.

– Gab es Bücher, die Ihnen überhaupt nicht gefallen haben oder bei denen Sie das Lesen gar abgebrochen haben? Welche waren das, und was missfiel Ihnen an ihnen?

Natürlich gab es die, und ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der viel liest, jedes Buch toll findet. Ein sehr hochgelobtes Buch, das ich abgebrochen habe, war zum Beispiel »Hallo Mister Gott, hier spricht Anna«, da ich die Protagonistin einfach nur furchtbar nervig fand. Oder »Harold« von Einzlkind – hier fand ich einfach alles grauenhaft: Den Schreibstil, die Charaktere, die Handlung. Die Freiheit, ein Buch bei Nichtgefallen ungelesen bei wegzulegen, erlaube ich mir aber nur bei Büchern, die ich nicht bewerten »muss«. Bei Rezensionsexemplaren quäle ich mich in der Regel bis zum Schluss durch, damit ich auch wirklich alles beurteilen kann.

Es kann verschiedene Gründe haben, wieso ich ein Buch nicht mochte. Der Schreibstil, furchtbar unangenehme Charaktere, eine unlogische oder langweilige Story,... Manchmal kann es aber auch sein, dass ich einfach während des Lesens merke, dass ich wider Erwarten doch nicht die richtige Zielgruppe bin für das Buch. In diesem Fall sage ich das dann auch ganz offen in meiner Rezension. Es muss nicht immer nur am Buch selbst liegen, dass man damit nicht klarkommt.

Mir ist nur wichtig, dass negative Rezensionen auch gut begründet sind sowie sachlich und fair bleiben. Ich würde niemals schreiben: »Das Buch fand ich total scheiße.«, denn mir ist bewusst, dass hinter jedem Werk auch ein Mensch sitzt, den ich mit einer unsachlichen Kritik verletze. Außerdem würde ich niemals von einem Buch abraten, nur weil es mir nicht gefallen hat, denn Geschmäcker sind nunmal verschieden und Rezensionen subjektiv. Was sich für mich ganz grauenhaft liest, mag ein Anderer genial finden! Trotzdem muss jedem Autor und Verlag klar sein, dass ich keine Gefälligkeitsrezensionen schreibe, sondern kritisch rezensiere.

Zum Glück habe ich aber mittlerweile ein recht gutes Gespür dafür, was mir zusagt und was nicht, und habe bei der Auswahl meist ein glückliches Händchen. Und falls nicht, tut es mir zwar wirklich für den Autor leid, aber ich versuche dann wenigstens, meine Kritikpunkte nachvollziehbar zu formulieren. Wie der Autor dann damit umgeht, ist ihm selbst überlassen. Ich habe in letzter Zeit öfter von anderen Bloggern gehört, dass sie von Autoren nach einer negativen Rezension massivst angegangen wurden. Das ist mir zum Glück noch nie passiert.

– Werden auf Ihrem Blog nur Bücher rezensiert, oder können Ihre Besucher auch andere Dinge bei Ihnen lesen?

Ich versuche eigentlich, meinen Blog als reinen Bücherblog zu sehen. In erster Linie veröffentliche ich hier meine Rezensionen, zeige meine Neuzugänge und plaudere über alles rund um das Thema »Bücher & Lesen«. Ab und an schreibe ich aber auch mal etwas Persönliches.

– Haben Sie Kontakt zu anderen Bloggern? Wenn ja, könnten Sie unseren Lesern vielleicht zwei oder drei von ihnen besonders ans Herz legen? Was schätzen Sie an ihnen?

Da ich auch sehr gerne andere Blogs lese und in diversen Literaturplattformen unterwegs bin, kenne ich natürlich den ein oder anderen Blogger. Ob ich einen bestimmten Blog ans Herz legen kann? Ohje, was für eine gemeine Frage – es gibt soooo viele gute Bücherblogs, da fällt mir die Entscheidung sehr sehr schwer. Ich möchte hier mal nur zwei Blogs nennen.

Der erste ist »Lesemaus im Schafspelz«, den es erst seit acht Monaten gibt. Warum ich ihn so mag? Nun, ich bin da nicht ganz unvoreingenommen, denn die Blogbetreiberin ist eine langjährige Freundin, die mir quasi die »Schuld« daran gibt, dass sie zum Rezensieren und nun zum Bloggen gekommen ist wie die Jungfrau zum Kinde. Agnes' Blog ist vor allem für Krimi- und Thrillerfans ein Muss, aber sie liest ansonsten auch so wie ich alles querbeet.

Ein weiterer Blog, auf den ich zufällig gestoßen bin, ist »Lena liest«. Lena ist gerade mal 14 Jahre alt und bloggt schon seit Februar 2014 mit einer ungebremsten Begeisterung. Schleichwerbung hat sie gar nicht nötig, da sie mehr Leser hat als ich, aber ich möchte ihren Blog gerne stellvertretend für die tollen Bücherblogs nennen, die von Jugendlichen betrieben werden, denn als »alte Schachtel« finde ich es wirklich schön, dass sich immer mehr junge Menschen so stark für das Lesen begeistern können – immerhin etwas, das in der heutigen Zeit gar nicht mal so selbstverständlich ist!

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