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Veröffentlicht von: TÜV Rheinland
Veröffentlicht am: 28.10.2015 15:16
Rubrik: Gesundheit & Medizin


(Presseportal openBroadcast) - Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Zeitalter von Industrie 4.0

Arbeit ist Veränderung / Bedeutung von Expertenwissen wächst / Mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit

Köln, 28. Oktober 2015. Mit Auswirkungen auf ihren Arbeitsplatz durch Industrie 4.0 und den damit einhergehenden nachhaltigen Veränderungen rechnen knapp 43 Prozent der Arbeitnehmer. Dass Industrie 4.0 keine Auswirkungen auf ihre Arbeit haben wird, glauben hingegen nur rund 21 Prozent. Gut 36 Prozent konnten diese Frage nicht beantworten. Das ergab eine aktuelle Online-Befragung von TÜV Rheinland unter 12.900 Teilnehmern. Die Veränderungen durch Industrie 4.0 zeigen sich bereits heute auf vielfältige Art und Weise: Produktionsabläufe werden immer vernetzter, Mensch und Maschine arbeiten enger zusammen, und neue Technologien verändern Abläufe und Arbeitsweisen. Werner Lüth, Fachgebietsleiter Arbeitssicherheit bei TÜV Rheinland: "Diese Prozesse werden sich kontinuierlich fortsetzen und beschleunigen. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz in Unternehmen muss sich diesen Veränderungen anpassen. Das Wissen der Experten für Arbeitssicherheit muss daher künftig noch weitreichender und stets auf dem allerneuesten Stand sein." Vorstellbar ist beispielsweise, dass Menschen und Maschinen künftig im Team zusammenarbeiten. Die heute noch übliche räumliche Trennung von Menschen und Robotern wird voraussichtlich entfallen. Gefragt sind dann intelligente Sicherheitssysteme, die zuverlässig eine Gefährdung der Arbeitnehmer verhindern. Auch viele manuelle Tätigkeiten werden sich verändern, beispielsweise indem Datenbrillen bei Instandhaltungsarbeiten die benötigten Informationen bereitstellen.

Veränderung als Normalzustand
Die Belastungen durch die Arbeit haben sich bereits verändert: Die körperliche Beanspruchung durch Muskelarbeit hat in den meisten Berufen abgenommen. Zudem beeinflussen moderne Informations- und Kommunikationstechnologien die Art des Arbeitens: Abläufe sind schneller, flexibler und globaler geworden. "Alles ist immer im Fluss und in Veränderung. In Zukunft wird die Flexibilität und Mobilität der Arbeitnehmer noch mehr an Bedeutung gewinnen. Gerade für ältere Arbeitnehmer stellt das schon heute eine Herausforderung dar. Menschen reagieren auf diese Veränderungen der Arbeitswelt sehr unterschiedlich: Die einen genießen die Möglichkeiten, die sich durch diese ständigen Neuerungen und Weiterentwicklungen bieten. Andere leiden unter dem Zwang, sich immer wieder in neue Strukturen und Techniken einzuarbeiten", erläutert Iris Dohmen, Betriebspsychologin bei TÜV Rheinland. Wichtig ist es daher, junge und ältere Arbeitnehmer entsprechend ihrer Möglichkeiten einzusetzen und sie in die Gestaltung des Arbeitsumfeldes mit einzubeziehen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage an die Beschäftigten: Wie müssen der Arbeitsplatz und die Arbeitsbedingungen gestaltet sein, damit ihr langfristig eure Aufgaben gesund und motiviert erfüllen könnt?

Internationale Teams, deren Mitglieder auf verschiedenen Kontinenten gemeinsam an einem Projekt arbeiten, stellen Mitarbeiter und Führungskräfte vor neue Herausforderungen: Unterschiedliche Mentalitäten erfordern eine ausgeprägte interkulturelle Kompetenz von allen Teammitgliedern. Klare Spielregeln für den E-Mail-Verkehr und die Erreichbarkeit erleichtern die Zusammenarbeit ebenso wie eine sensible Feedback-Kultur. Vielfalt bedeutet für Teams aber nicht nur Herausforderung, sondern auch Bereicherung, da unterschiedliche Stärken und Blickwinkel in die Projekte eingebracht werden. "Arbeitszeiten und Arbeitsorte werden flexibler. Das macht es einfacher, Arbeit und Familie in Einklang zu bringen, erfordert aber auch eine höhere Eigenverantwortung der Mitarbeiter für ihre Gesundheit", so Dohmen.

Klare Regeln für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
Richtet der Arbeitgeber einen Homeoffice-Arbeitsplatz in der Wohnung des Mitarbeiters ein, gelten dieselben Vorschriften für Arbeitssicherheit und Ergonomie wie im Unternehmen. Im Hinblick auf die Arbeitszeiten ist hingegen die Eigenverantwortung des Arbeitnehmers gefragt: Ständige Erreichbarkeit 24 Stunden am Tag, am Wochenende und im Urlaub führen auf Dauer zu Überlastung und Erschöpfung. Hier gilt es, durch klare Absprachen Grenzen zu setzen, Zeiten zur Regeneration zu vereinbaren und diese bewusst zu nutzen.

Aus arbeitsmedizinischer Sicht rückt in einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt das Selbstverständnis der Firmen als gesundes Unternehmen in den Mittelpunkt. Dazu gehört unter anderem, dass bei der Analyse von Arbeitsplätzen Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit Hand in Hand gehen. Zudem müssen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung zu einem umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagement zusammengeführt werden, das auch für Mitarbeiter im Homeoffice oder Zeitarbeitnehmer Angebote bereithält. Wiete Schramm, Arbeitsmedizinerin bei TÜV Rheinland: "Auch die Art der Belastungen wird sich weiter verändern. Schon heute bietet die sogenannte Wunschvorsorge Arbeitnehmern die Möglichkeit, zum Beispiel bei psychischen Belastungen eine Beratung durch den Betriebsarzt zu erhalten." Vor dem Hintergrund der sich wandelnden Arbeitswelt hat sich auch die Beurteilung von Gefährdungen verändert: Seit 2013 ist die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen für Unternehmen Pflicht. Und bei der Betrachtung der Arbeitsplätze fließen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels heute auch Aspekte der alternsgerechten Arbeitsplatzgestaltung mit ein. "Unsere Experten unterstützen Unternehmen in allen Fragen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes. Oft sind es gerade die kleinen Maßnahmen, die einen großen Effekt erzielen: Ältere Mitarbeiter hören beispielsweise im Hochtonbereich oft schlecht. Für sie ist es eine deutliche Verbesserung, wenn Signale im Tieftonbereich liegen oder Tasten an Geräten größer gestaltet werden", so Schramm.


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