DIW Konjunkturbarometer November 2015: Deutsche Wirtschaft trotzt der Industrieschwäche

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Veröffentlicht am: 25.11.2015 16:08
Rubrik: Gesellschaft & Kultur


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Berlin (pressrelations) - DIW Konjunkturbarometer November 2015: Deutsche Wirtschaft trotzt der Industrieschwäche


Die deutsche Wirtschaft dürfte im Schlussquartal moderat zulegen: Dem neuesten Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent steigen. Der Indexstand liegt mit nun 102 Punkten weiterhin über dem Schwellenwert von 100 Punkten, der ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigt, und auch über dem Wert für das dritte Quartal - im Vergleich zum Oktober ist er aber um einen Punkt gesunken. "Das verarbeitende Gewerbe kommt nach wie vor nur schwerfällig in Gang", sagt DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. "Zwar hat sich die Stimmung vor allem in den exportabhängigen Bereichen zuletzt aufgehellt, allerdings ist die Industrieproduktion in Deutschland rückläufig." Dies liegt vor allem daran, dass sich die Weltwirtschaft zuletzt eher enttäuschend entwickelt hat. Dennoch dürfte die globale Produktion ihren Aufwärtstrend insgesamt fortsetzen, was die deutschen Exporte zumindest insoweit beflügeln dürfte, dass die Industrieproduktion die Wirtschaft im Winter kaum noch dämpft.

Getragen wird die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland derzeit von den Dienstleistungsbereichen, die auch vom dynamischen privaten Verbrauch profitieren. "Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin gut, zuletzt hat der Beschäftigungsaufbau sogar noch an Tempo gewonnen", sagt Simon Junker, Experte für die Konjunktur in Deutschland. "Die Löhne legen dagegen eher verhalten zu - insbesondere die Reallöhne, weil der dämpfende Effekt sinkender Energiepreise ausläuft." Alles in allem steigen die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte aber spürbar. Der Konsum dürfte daher merklich zulegen; hinzu kommt zusätzliche Nachfrage, die die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge persönlich entfalten, sowie diejenige im Zusammenhang mit deren Unterbringung, Versorgung und Integration.

Eine dynamischere Binnenkonjunktur dürfte erst dann einsetzen, wenn die Investitionen kräftiger anziehen. Dies wird wohl im Verlauf des kommenden Jahres der Fall sein, da die Auslandsnachfrage weiterhin positive Impulse gibt - insbesondere, weil sich die Wirtschaft im Euroraum weiter erholt, auch wenn noch längst nicht alle Sorgen um die Währungsunion ausgeräumt sind. Auch die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Abkühlung der chinesischen Wirtschaft kann noch dämpfend wirken.

Die Investitionen in Deutschland entwickeln sich alles in allem weiterhin schwach. Dazu tragen - neben der gemächlicheren Gangart der Weltwirtschaft - auch inländische Faktoren bei: Denn gemessen an der vergleichsweise guten wirtschaftlichen Entwicklung könnte der private Verbrauch durchaus noch kräftiger zulegen. Dass dies nicht der Fall ist, dürfte auch daran liegen, dass Haushalte mit bereits hohen Einkommen überdurchschnittlich von den Zuwächsen profitieren, diese jedoch einen relativ hohen Anteil ihres Einkommens anlegen - auch im Ausland. Zudem müssen die Rahmenbedingungen für private Investitionen verbessert werden; dazu zählt unter anderem eine Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur, die vielerorts marode ist und damit privatwirtschaftliche Dispositionen negativ beeinflusst.

Die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten dürften in Deutschland ab dem kommenden Jahr in etwa ausgelastet sein - eine Überhitzungsgefahr droht nicht. Entsprechend wird die Inflation wohl etwas anziehen, unterm Strich aber niedrig bleiben: wie im übrigen Euroraum dürfte die Teuerungsrate auch in Deutschland deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank in Höhe von zwei Prozent liegen.

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