Wien: IT-Gründer haben es leichter als Biotech-Start-ups

Veröffentlicht von: PR&D - Public Relations für Forschung und Bildung
Veröffentlicht am: 27.01.2016 10:52
Rubrik: Wissenschaft & Forschung


(Presseportal openBroadcast) - MODUL University Vienna analysiert Wiener Angebot an Infrastruktur für Start-ups

Das Angebot an Immobilien für Start-ups in der Region Wien ist für Gründungen im IT-Bereich deutlich besser geeignet als für Biotech-Gründer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der MODUL University Vienna, die sich mit Angebot und Nachfrage zur Infrastruktur für technologiebasierte Start-ups in der Region Wien befasste. Steht für junge IT-Firmen in Wien und Umgebung ein vielfältiges Angebot an Coworking Spaces als auch Kleinbüros zur Verfügung, so mangelt es für Biotech-Start-ups an geeigneten Gewerbeimmobilien und insbesondere an Inkubatoren. Bereits in einer vorangegangenen Studie konnte die MODUL University Vienna die Verfügbarkeit geeigneter Räumlichkeiten für universitäre Start-ups als Erfolgshindernis identifizieren. Die neue Studie differenziert dieses Bild weiter und gibt klare Empfehlungen.

Geeignete Räumlichkeiten zu finden ist in der Gründungsphase eine wesentliche Herausforderung. Zu diesem Ergebnis kam ein Team der MODUL University Vienna als es vor einiger Zeit Hürden für die Gründung universitärer Spin-offs in Wien untersuchte. Jetzt analysierte Dr. Radinger-Peer vom dortigen Institut für Public Governance and Sustainable Development dies genauer und schließt ihre Studie mit konkreten Handlungsempfehlungen.

Platz & Platzen
"Ist der Platzbedarf noch gering finden Start-ups in der Region Wien rasch passende Gewerbeflächen", fasst Dr. Radinger-Peer ein Hauptergebnis ihrer Studie zusammen, "nimmt die Anzahl der MitarbeiterInnen aber zu, dann platzt es schnell aus allen Nähten – und die Herausforderungen beginnen." Denn, so ergab die Studie, größere Flächen werden überproportional teuer angeboten. Dem Problem des Umzugs bei laufendem Betrieb gesellt sich so noch die Schwierigkeit einer langfristigen Finanzierung hinzu. Reichen dem klassischen IT-Start-up am Anfang wenige Quadratmeter, so benötigen GründerInnen im Life-Science Bereich eine spezielle Infrastruktur, welche neben Büro- auch Laborflächen beinhaltet. "Aus der Befragung von ExpertInnen ging hervor, dass in diesem Segment des Marktes das Angebot in der Region Wien aber nicht für Start-ups geeignet ist", ergänzt Dr. Radinger-Peer, "die Mindestmietdauer liegt z. T. bei zehn Jahren, die Mindestmietfläche ist oftmals viel grösser als benötigt und der Preis pro Quadratmeter ist sehr hoch." Ein weiteres Manko für Biotech-Gründer ist das Fehlen gebündelter Information über die Verfügbarkeit geeigneter Flächen. Weniger gut vernetzte Biotech-Entrepreneure haben kaum Chancen an die notwendigen Informationen über verfügbare Labor- und Büroflächen zu gelangen. Doch auch für IT-Gründer ist nicht alles rosig, meint Dr. Radinger-Peer: "Das in den letzten Jahren rasant zunehmende Angebot an Coworking Spaces und Kleinbüros führt auch dazu, dass es eine geringe Konzentration der IT-Start-ups gibt. Hier sind wiederum die Biotechs im Vorteil, deren Cluster am Vienna BioCenter, in der Muthgasse, dem AKH oder in Tulln liegen."

Starke Region
Die Studie zeigt auch ganz allgemeine Stärken für die Region Wien auf. So wurde von Seiten der befragten ExpertInnen die Start-up Community in Wien im generellen als sehr lebendig beschrieben. Eine solch dynamische Szene ist ein Faktor, der neben der anerkannt hohen Lebensqualität der Stadt, Start-up GründerInnen aus anderen Regionen anzieht. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Entwicklung des Angebots an Büroimmobilien und Laborflächen als auch auf die Nachfrage aus. Dazu Dr. Radinger-Peer: "In den Life Sciences ist Wien das österreichische Zentrum für die Grundlagenforschung. Mit internationaler Präsenz und Exzellenz der Universitäten und Forschungsinstitute sowie einer renommierten Klinik." Dazu kommt, dass wichtige Förderungen, wie die des AWS Austria Wirtschaftsservice, von den Start-ups auch für Mietzahlungen verwendet werden können. Weiters gibt es in Wien ein sehr professionelles Beratungsangebot (INiTS, LISAVienna) und die Expertise bei den Förderstellen ist im Allgemeinen sehr hoch. All dies schafft einen guten Nährboden für die Gründung von Biotech-Unternehmen und der daraus resultierenden Nachfrage nach Fläche. Auch IT-Gründer profitieren von den sehr attraktiven Angeboten der Frühphasenförderung, können aber im Gegensatz zu ihren Biotech-Kollegen auch auf eine Anzahl an Inkubatoren zurückgreifen. Diese bieten eine ideale Start-up-Umgebung, die dazu in der Region Wien noch durch zahlreiche Coworking Spaces und Kleinbüroflächen ergänzt werden.

Besser geht immer
Vor dem Hintergrund dieser Vorteile wäre es laut Dr. Radinger-Peer im Interesse der Standortentwicklung den Herausforderungen im Immobilienbereich durch Umsetzung konkreter Empfehlungen zu begegnen. Die befragten ExpertInnen sind sich einig, dass die Errichtung von Inkubatoren – dezentralen Gründerzentren in der Nähe der Universitäten und Forschungszentren – eine wesentliche Maßnahme zur Verbesserung der Situation von Life-Sciences Start-ups darstellt. Als sinnvoll wird in diesem Zusammenhang eine mittel- bis langfristige Life Sciences- und Biotechnologie-Strategie in Abstimmung zwischen Bund und Land angesehen.

Auch sollte eine strukturierte und zentrale Übersicht zu verfügbaren Büro- und Laborflächen etabliert werden. Weiters sollte es für jungen Unternehmen Erweiterungsoptionen am jeweiligen Standort geben, sodass bei Wachstum aufwändige und teure Umzüge erspart bleiben. Generell, so meint Dr. Radinger-Peer, wäre auch ein investorenfreundliches Klima in der Region hilfreich, da größere finanzielle Mittel das hohe Preisniveau für das aktuelle Flächenangebot relativieren würden. Empfehlungen für den IT-Sektor umfassen zwar auch die Erweiterung des Angebots an flexiblen kurzfristigen Büroimmobilien sowie an Kleinbüroflächen, doch wesentlicher erscheint es das internationale Standing von Wien als Technologiestandort zu stärken. Denn, im Gegensatz zum Life Sciences-Bereich ist dieses für den IT-Sektor noch nicht sehr ausgeprägt.

Insgesamt setzt die MODUL University Vienna mit dieser Studie ihre kritisch-konstruktive Analyse der Start-up-Szene in der Region Wien fort. Dazu der Geschäftsführer Mag. Christian Hoffmann: "Wien hat eine lebhafte und durchaus erfolgreiche Start-up-Community die stetig wächst und ein wichtiger Standortfaktor wird. Mit der wissenschaftlichen Expertise unseres Instituts für Public Governance and Sustainable Development möchten wir diesen erfreulichen Prozess wissenschaftlich begleiten."

Über die MODUL University Vienna (Stand Jänner 2016)
Die MODUL University Vienna, die internationale Privatuniversität der Wirtschaftskammer Wien, bietet Studienprogramme (BBA, BSc, MSc, MBA und PhD Programme) aus den Bereichen Internationale Wirtschaft
und Management, Neue Medientechnologie, öffentliche Steuerung & Verwaltung und nachhaltige Entwicklung sowie Tourismus und Hospitality Management an. Die Studienprogramme erfüllen strenge Akkreditierungsrichtlinien und werden aufgrund der internationalen Ausrichtung in Englisch abgehalten. Der Campus der Universität befindet sich am Kahlenberg im 19. Wiener Gemeindebezirk. Das Forschungsprogramm des Instituts für Public Governance and Sustainable Development fokussiert auf Fragen, die sich mit den wesentlichen politischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, wie der Entwicklung und Rolle von Hochschuleinrichtungen, dem Wandel demokratiepolitischer Prozesse und dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, beschäftigen.

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