Kommentar: Wie setzt die Steyler Ethik Bank ihr Paris-Versprechen in der Praxis um?

Veröffentlicht von: HBS International GmbH
Veröffentlicht am: 11.02.2016 10:00
Rubrik: Finanzen & Versicherungen


(Presseportal openBroadcast) - Jutta Hinrichs, Referentin für Ethik und Nachhaltigkeit der Steyler Ethik Bank

Darum geht es:

Der Energiesektor ist ein Haupttreiber der globalen Erwärmung, allen voran die Kohle-Industrie. Kohlekraftwerke verursachen sehr hohe CO2-Emissionen, selbst im Vergleich zu anderen fossilen Brennstoffen. Für die gleiche Menge Strom emittieren Kohlekraftwerke zwei bis drei Mal so viel CO2 wie Gaskraftwerke.

Die Bundesrepublik hat sich bereits vor Jahren ehrgeizige Klimaschutzziele gesetzt und will bis 2050 die Treibhausgas-Emissionen um 80 bis 95 Prozent senken (im Vergleich zu 1990). Zu erreichen ist dieses Ziel nur durch den massiven Ausbau erneuerbarer Energien und den gleichzeitigen Verzicht auf fossile Energiequellen. Aktuell deckt die Kohleverstromung allerdings noch etwa 45 Prozent der deutschen Elektrizitätsnachfrage.

Energiewende: Nun sind die Investoren gefragt

Während Länder wie die Bundesrepublik mit gutem Beispiel vorangehen wollen, sieht der weltweite Trend allerdings erschreckend aus. Nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur (IEA Energy Atlas) hat die globale Kohleproduktion seit dem Jahr 2000 um mehr als zwei Drittel zugenommen. Eine wichtige Rolle spielen hier natürlich die Finanzinvestoren, weil sie die Geschäftsmodelle der Kohle-Industrie überhaupt erst möglich machen.

Ein drastisches Beispiel hierfür liefert Coal India, der weltweit größte Kohlebergbau-Konzern. Dieser hat nach eigenen Angaben noch Kohlereserven für über 100 Jahre. Bereits jetzt fördert er 450 Mio. Tonnen pro Jahr und hat Ausbaupläne bis zu 1 Mrd. Tonnen pro Jahr. Ich konnte mir selbst bei einer Reise nach Indien einen Einblick der Aktivitäten des Unternehmens verschaffen, als ich die Kohleabbauregion in Odisha besuchte.

Unternehmen wie Coal India sind bereits heute für die Steyler Ethik Bank tabu. Bergbaukonzerne verstoßen leider sehr häufig gegen die Ausschlusskriterien Menschen- und Arbeitsrechtsverstöße sowie kontroverses Umweltverhalten. Künftig wird die Steyler Ethik Bank sie aber wegen ihres Geschäftsfeldes Kohle ausschließen und damit ein deutliches Signal als umweltbewusster Investor setzen.

Die Steyler Ethik Bank plant nach der Unterzeichnung des Paris-Versprechens zum Kohleausstieg nun die konkreten Schritte zur Umsetzung.

Rote Karte für Kohle, nicht aber für Erdgas und Erdöl

Der Ethik-Ausschuss der Bank hat sich in seiner Sitzung im November 2015 grundsätzlich mit dem Thema der nicht erneuerbaren Energien beschäftigt. Es wurde festgelegt, dass zwar künftig das Ausschlusskriterium Kohle gilt, Erdöl und Gas aber nicht ausgeschlossen werden. Dafür gibt es zwei Gründe.

1.) Die Verstromung von Kohle setzt viel CO2 frei und ist klimaschädlicher als andere fossile Energieträger.

2.) Der Verzicht auf alle fossilen Energieträger ist zwar grundsätzlich unser Ziel, doch aktuell noch unrealistisch. Noch ist die Menschheit auf Erdöl und Gas angewiesen. Daher möchten wir als ethischer Investor Anreize für diese Energieunternehmen setzen, nachhaltiger zu werden. Dies tun wir mit unserem Best-in-Class-Ansatz bei Investitionen. Wir investieren also in die Nachhaltigkeitsvorreiter dieser Branchen. Zugleich investieren wir aufgrund unserer nachhaltigen Anlagestrategie natürlich in besonderem Maße in Unternehmen aus dem Sektor der Erneuerbaren Energien, wie zum Beispiel Vestas Wind Systems oder Enel Green Power.

Kohle-Ausschluss ganz praktisch

Bei der Festlegung ihres Anlageuniversums, das strengen ethischen Grundlagen folgt, nutzt die Steyler Ethik Bank die Unterstützung der Ratingagentur oekom research. Der Ausschluss der Kohle-Industrie sowohl aus den Eigenanlagen der Steyler Ethik Bank als auch aus dem Anlage-Universum der Steyler Fair und Nachhaltig-Fonds muss daher mit oekom abgestimmt werden.

Konkret bedeutet dies, dass die Ratingagentur für uns die neue Anforderung in ihre Analyseinstrumente aufnehmen wird. Anfang Januar machte uns oekom research einen Formulierungsvorschlag für das Ausschlusskriterium. Zugleich berechnete die Ratingagentur, welche Auswirkung der Kohleausschluss auf unser Anlageuniversum haben wird. Denn man darf natürlich nicht vergessen, dass strenge Nachhaltigkeitskriterien die Investitionsoptionen verengen. Doch nur mit strengen Kriterien wird die Steyler Ethik Bank ihrem Auftrag als nachhaltiger Investor gerecht. Außerdem sind wir davon überzeugt, dass nachhaltige Anlagen in der Regel geringere Risiken zur Folge haben und damit Nachteile aus der Beschränkung des Anlageuniversums ausgeglichen werden. Ein ethisch-nachhaltiger Investor wird daher aus Prinzip nicht in Unternehmen wie Coal India investieren, bei denen absehbar ist, dass das Geschäftsmodell hohe Reputationsrisiken wegen des nicht-nachhaltigen Umgangs mit Mensch und Natur in sich birgt und damit große Verlustrisiken für Investoren drohen.

Bei der Ratingagentur oekom research läuft die Neueinführung des Ausschlusskriteriums unter dem technischen Titel „oekom Fossil Fuel Screening“ und ist ein Teil eines Gesamtpakets mit dem Titel „oekom Carbon Services“.

oekom verspricht, mit dem „Fossil Fuel Screening“ zielgenau alle Unternehmen im Bereich der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Erdgas identifizieren zu können. Die Ratingagentur liefert Informationen darüber, ob ein Unternehmen als Produzent, Weiterverarbeiter oder Dienstleister im Bereich fossiler Energien tätig ist und wie groß die Umsatzanteile in diesem Bereich sind. Zusätzlich werden die Marktanteile von über 3.700 Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gasbranche geliefert.

Die Formulierungsvorschläge von oekom sowie die möglichen Auswirkungen auf das Anlage-Universum liegen aktuell dem Ethik-Ausschuss der Steyler Ethik Bank zur Beratung vor. Diesem Gremium gehören Vertreter der Steyler Missionare, der Finanzwirtschaft und der Wissenschaft an. Er berät die Geschäftsführung und den Bankbeirat. Zudem erarbeitet er verbindliche Ethik-Standards.

Ganz aktuell hat der Ethik-Ausschuss entschieden, dass der Kohle-Ausschluss für die Produzenten und Verwender ab einer Umsatzschwelle von 5 Prozent gilt. Nicht ausgeschlossen werden Dienstleister wie z.B. Transportunternehmen, die ja noch vielen anderen Branchen zuarbeiten.

Konkret bedeutet der Ausschluss von Produzenten und Verwendern: Alle Kohlebergbauunternehmen wie Coal India und alle „Kohle-Verwender“ wie die großen Energiekonzerne RWE, EON und EnBW verstoßen künftig gegen das neue Steyler Ausschlusskriterium. De facto waren die meisten allerdings schon zuvor aus dem Steyler Anlageuniversum ausgeschlossen: Coal India über die Ausschlusskriterien Menschen- und Arbeitsrechtsverstöße sowie kontroverses Umweltverhalten, die oben genannten deutschen Energiekonzerne über das Ausschlusskriterium Atomenergie.

Die Steyler Ethik Bank setzt dennoch mit dem Ausschlusskriterium Kohle ein deutliches Signal an die Energiekonzerne: RAUS aus Atomenergie, RAUS aus Kohleverstromung und REIN in erneuerbare Energien ist die einzige nachhaltige Geschäftsstrategie, die von ethisch-nachhaltigen Investoren honoriert wird!

Auf jeden Fall wird die Steyler Ethik Bank ihren Kohle-Ausstiegsplan fristgerecht bis April 2016 vorlegen können, so wie im Paris Pledge versprochen.

Hintergrund:
Der Paris Pledge For Action („Das Versprechen von Paris“) ist eine weltweite Initiative im Vorfeld der 21. UN-Klimakonferenz, die vom 30.11. bis 12.12.2015 in Paris stattfand. Die von Nichtregierungsorganisationen getragene Initiative fordert Banken, Versicherungen und andere Geldgeber auf, aus Kohle-Investments auszusteigen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der deutschen NGO urgewald e.V. (www.urgewald.org/kampagne/paris-pledge)

Die Steyler Ethik Bank
Die Steyler Ethik Bank wurde 1964 vom Steyler Missionsorden in Sankt Augustin bei Bonn gegründet. Sie bietet das gesamte Spektrum eines modernen Finanzdienstleisters an: vom Girokonto bis zur Vermögensverwaltung. Ethisches Bankgeschäft lebt das Geldinstitut durch eine faire und bedarfsgerechte Kundenberatung sowie nachhaltige Anlagestrategien. So investiert die Bank nur in Wertpapiere, die strenge soziale und ökologische Kriterien erfüllen. Der komplette Gewinn der Bank dient der Arbeit von weltweit rund 10.000 Steyler Missionaren und Schwestern - gemeinsam mit freiwilligen Spenden von Kunden.

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