Unerträglich: die positive Darstellung des desolaten Arbeitsmarktes

Veröffentlicht von: Deutscher Schutzverband gegen Diskriminierung e.V.
Veröffentlicht am: 03.03.2016 11:48
Rubrik: Recht & Politik


(Presseportal openBroadcast) - Kommentar von Uwe Hoffmann, Geschäftsführer des Deutschen Schutzverbandes gegen Diskriminierung e. V. (DSD)

3. März 2016. Wieder einmal sei die Arbeitslosenquote im Februar rückläufig, so die Arbeitslosenstatistik für Januar 2016. Ein Zeichen für einen robusten Arbeitsmarkt in Deutschland? Oder ein Zeichen für eine schleichende Verschiebung der Arbeitsplätze in Richtung Zeit- und Leiharbeit? Eine Frage, die der Geschäftsführer des Deutschen Schutzverbandes gegen Diskriminierung e. V. (DSD), Uwe Hoffmann, kommentiert.

Kennen Sie den alten Witz über den Drei-Länder-Wettkampf zwischen Deutschland, den USA und Russland? Deutschland gewinnt den Wettstreit, die USA werden Zweiter und Russland landet auf dem letzten Platz. In den russischen Zeitungen aber steht: "Nachdem unser Erzfeind, die USA, nur den vorletzten Platz belegen konnten, errangen unsere Sportler einen glorreichen dritten Platz.

Sie sehen, mit Zahlen kann man spielen und sie positiv darstellen, selbst wenn die Wahrheit ganz anders aussieht. Und so werden uns Monat für Monat sinkende Arbeitslosenzahlen suggeriert. Wie kann das sein?

Langzeitbetrachtungen, wie sie z. B. das Institut für Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen erstellt, zeigen ein ganz anderes Bild. Die Abgangsquote aus Hartz IV stagniert seit Jahren: Noch nicht mal jeder fünfte Hartz-IV-Empfänger schafft es einen dauerhaften Job in diesem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen. Zu diesen Abgängern, auch das muss man wissen, zählen aber auch Menschen, die seit sechs Wochen arbeitsunfähig sind, die, die in Rente gehen (müssen) oder eine Maßnahme oder Fortbildung machen. In dieser Aufzählung stecken 44 Prozent der Hartz-IV-Empfänger.

Wenn die Bundesagentur für Arbeit (BA) Monat für Monat sinkende Arbeitslosenzahlen präsentiert, dann deshalb, weil es immer weniger Jobs auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt gibt und weil Monat für Monat auch viele Langzeitarbeitslose ihre Flinte ins Korn werfen.

Im Juni 2015 gab es in Deutschland 50.300 Zeitarbeitsunternehmen mit 961.000 Leiharbeitern, von denen jeder zweite eine Helfertätigkeit ausübt (so die Zeitarbeitsstatistik der BA). Werfen wir nun noch einen Blick auf die Zahl der beendeten Leiharbeitsverhältnisse um zu verstehen, wie der Markt mit den Billig-Jobs funktioniert.

Im ersten Halbjahr 2015 wurden 585.000 Leiharbeitsverhältnisse (LAV) beendet und 663.000 neu begonnen. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs der Leiharbeitsplätze von 78.000. Mehr als die Hälfte der beendeten LAV dauerten 3 bis sechs Monate. Im Amtsdeutsch der BA steht zu lesen: "Nach wie vor scheinen Verleiher ihren Personalbestand somit möglichst elastisch ihrer Auftragslage anzupassen." In der Wahrheit trifft wohl eher diese Äußerung zu: "Immer dann, wenn der Eingliederungszuschuss wegfällt, werden Leiharbeiter entlassen und neue mit Eingliederungszuschuss eingestellt." Diese Förderung kann bis zu 50 Prozent des Lohnes betragen und bis zu zwölf Monaten gewährt werden. Und dass Arbeitgeber in den ersten sechs Monaten in diesen Fällen noch nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn bezahlen müssen, ist ja auch bekannt.

Was uns schlussendlich wieder zur Statistik führt: Wer mit Eiswürfeln im Mund auf einer glühenden Herdplatte sitzt, hat im Durchschnitt eine gesunde Körpertemperatur. Anders formuliert: Die Erstellung von Statistiken und der Zusammenstellung bestimmter (!) Zahlen ist von einem Interesse geleitet.

Der DSD e. V. (www.mehr-hartz4.net) setzt sich für Menschen ein, die sich durch Behörden oder Unternehmen ungerecht behandelt fühlen, die bei ihrer Berufswahl aus böswilligen Gründen oder Vorurteilen benachteiligt wurden oder die durch den Staat oder seine Entscheidungen ins soziale Abseits gedrängt werden.

Besonders betreut werden Hartz IV-Empfänger, die eine kostenlose Erstberatung ihrer Fälle durch spezialisierte Anwälte erhalten.

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