Interview mit Dr. Jochen Becker

Veröffentlicht von: German Graduate School of Management and Law
Veröffentlicht am: 11.04.2016 14:32
Rubrik: Weiterbildung & Schulungen


(Presseportal openBroadcast) - "Investoren möchten Einblicke in neue Geschäftsmodelle erhalten", Heilbronn, 8. April 2016

Corporate Venture Capital (CVC) befindet sich im Markt der Wachstumsfinanzierung seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Weltweit haben CVC-Investitionen 2015 einen Rekordwert erreicht, allein amerikanische Konzerne haben letztes Jahr knapp 7 Mrd. Dollar in Start-ups investiert. Um die Stimmungslage der deutschen CVC-Szene zu erfassen, haben Dr. Jochen Becker von der German Graduate School of Management and Law (GGS) (https://www.ggs.de/)und sein Team im Herbst 2013 den CVC Sentiment Index entwickelt. Über die aktuellen Ergebnisse spricht er im Interview.

Was treibt Unternehmen an, in Start-ups zu investieren?

Firmen möchten einen Einblick in neue Produkte, Dienstleistungen oder auch ganze Geschäftsmodelle erhalten. Deshalb setzen sie vermehrt darauf, sich direkt am hochdynamischen Start-up-Markt zu beteiligen. In den letzten Jahren hat vor allem der Industrie- und Energie-Sektor stark an Bedeutung gewonnen.

Welche Rolle spielen deutsche CVC-Investitionen im internationalen Vergleich?

Die deutsche CVC-Branche befindet sich seit 2010 im Aufwind, was ein jährliches, durchschnittliches Wachstum der Investitionen von 32,6 Prozent eindrucksvoll belegt. Deutsche Unternehmen investierten im letzten Jahr 294,6 Mio. Dollar in Start-ups und liegen damit in Europa auf Platz 2 hinter Großbritannien. Neben großen Unternehmen wie Siemens, SAP und Bosch sind hier auch bereits einige mittelständisch geprägte Firmen aktiv. Interessante Unterschiede gibt es bei den Investitionen nach Zielbranchen: Anders als beim weltweiten Spitzenreiter USA, die bevorzugt in die Bereiche Software und Biotechnologie investieren, liegen die getätigten CVC-Investitionen in Deutschland vor allem im Bereich Konsumgüter & Services.

Was bildet der CVC Sentiment Index ab und wie wird er ermittelt?

Der CVC Sentiment Index wurde als Instrument zur Messung der Stimmungslage in der deutschen CVC-Szene entwickelt. Dazu befragen wir halbjährlich die führenden CVC-Einheiten. Durch die von den CVC-Gesellschaften abgegebenen Einschätzungen zur Entwicklung der allgemeinen Geschäftslage und deren zentralen Erfolgsfaktoren - auch als Indikatoren bezeichnet - können wir dann die grundlegende Entwicklung des Marktes abschätzen.

Wie sieht die Stimmungslage in der deutschen CVC-Szene aus? Gibt es da einen Zusammenhang mit der aktuellen Geschäftslage?

Auffällig war, dass im zweiten Halbjahr 2015 die Befragten eine Verschlechterung der allgemeinen Geschäftslage für die folgenden sechs Monate erwarteten. Diese gedämpften Vorhersagen sind verantwortlich für ein Absinken des Indexwertes. Dies bedeutet jedoch nicht, dass dem Markt düstere Zeiten bevorstehen. Denn die Stimmung im deutschen CVC-Markt ist nach wie vor sehr positiv.

Welche aktuellen Trends gibt es in der CVC-Szene und welche Empfehlung können Sie CVC-Investoren geben?

Der Trend, dass Unternehmen als Venture-Investor agieren, hat sich immens verstärkt. Jedoch sollten Investoren beachten, dass sich Erfolge in der CVC-Szene erst durch langfristige Investitionen zeigen. Für das Start-up besteht ein permanentes Spannungsfeld zwischen den Vorteilen aus einer Zusammenarbeit mit CVC-Investoren (z.B. Reputationseffekte) und dem Risiko seine Unabhängigkeit, also die unternehmerische Freiheit, zu verlieren. So geht ein junges Unternehmen durch eine CVC-Investment immer die Gefahr ein, dass strategisches Wissen abzogen wird. CVC-Investoren werden daher in der VC-Branche sehr ambivalent bewertet. Die Venture-Investoren sollten deshalb möglichst losgelöst von ihrer Muttergesellschaft agieren, um den Start-ups ihre Unabhängigkeit zu gewährleisten. Aus diesem Grund hat sich beispielsweise die CVC-Einheit von SAP in Sapphire Ventures - ehemals SAP Ventures - umbenannt.

In welcher Form beeinflusst das Investitionsverhalten die Erfolgschancen eines Start-ups?

Junge Unternehmen decken durch die Investoren in erster Linie ihren Kapitalbedarf. Sie profitieren vom Erfahrungsschatz und bekommen Unterstützung bei der erfolgreichen Umsetzung ihrer Geschäftsidee. Investoren können etwa Experten mit Spezial-Know-how vermitteln oder durch ihr Netzwerk wertvolle Kontakte zur Verfügung stellen. Die Start-ups können darüber hinaus Reputationseffekte nutzen und stoßen durch das Engagement der Investoren auf eine größere Marktakzeptanz.

Welche Rolle spielt dabei die Kommunikation zwischen Investoren und Start-ups?

Die Kommunikation spielt eine entscheidende Rolle. Es ist wichtig, regelmäßig und offen die Muttergesellschaft über die Entwicklung und den für das Unternehmen erzielten Mehrwert zu informieren. Dabei sollte nicht nur die oberste Führungsebene involviert sein, sondern auch die operativen Einheiten, da diese durch ihr Know-how maßgeblich zum Erfolg eines Start-ups beitragen.

Zur Person:
Jochen Becker ist Post-Doc für Finanzkommunikation und Marketing an der German Graduate School of Management and Law. Er gründete dort und leitet das Investment Lab Heilbronn, welches sich mit der Interaktion zwischen CVC-Einheiten, Portfoliounternehmen sowie Co-Investoren beschäftigt. Maßgeblich unterstützt wird das Investment Lab durch die Dieter Schwarz Stiftung.

Pressekontakt:

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Firmenportrait:

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