3. qualityaustria Umwelt- und Energieforum: Chancen durch Umwelt- und Energiemanagement nutzen

Veröffentlicht von: Quality Austria
Veröffentlicht am: 29.04.2016 11:40
Rubrik: Umwelt & Energie


(Presseportal openBroadcast) -

Das diesjährige qualityaustria Umwelt- und Energieforum in Kooperation mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft brachte am Donnerstag, den 28. April rund 80 Vertreter der österreichischen Wirtschaftsszene und Energiebranche in die Albert Hall in Wien. Im Fokus der Veranstaltung standen das 20-jährige Jubiläum des Umweltmanagementstandards ISO 14001 sowie der Mut zu neuen Lösungsansätzen, um Entwicklungen wie dem Klimawandel und steigenden Flächenverbrauch entgegenwirken zu können.

Mut zu neuen Bildern
Axel Dick, Business Development Umwelt und Energie, Public Relations, Quality Austria, hob in seinem Impulsreferat zur Eröffnung des Forums die enormen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Herausforderung der Zeit hervor. Der Mut zu neuen Bildern im Kopf sei daher auch das Leitthema der Quality Austria in diesem Jahr. Den Auftakt dazu habe das 22. qualityaustria Forum im vergangenen März gemacht, bei dem man wesentliche Impulse für Innovationen gesetzt habe. Aktuell hätten bereits 175 Staaten das Klimaschutzabkommen, das bei dem UN-Klimaschutzgipfel in Paris 2015 "COP 21" ausgehandelt wurde, in New York unterzeichnet. Daher seien das Umweltmanagement sowie die Energie- und Materialeffizienz bei Unternehmen wesentliche Erfolgsfaktoren von morgen. Wie die globalen Zertifizierungstrends zeigen, würden der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001 und dem energiespezifischen Standard ISO 50001 schon heute eine zentrale Bedeutung zukommen. "Wir stehen derzeit vor großen Herausforderungen, die den Mut zu neuen Bildern erfordern, aber auch Chancen bieten. Dieser Mut verlangt auch eine kritische Analyse", betonte Dick.

Rückblick auf 20 Jahre Umweltmanagement
Im Anschluss diskutierten Andreas Tschulik, Leiter der Abteilung "Betrieblicher Umweltschutz und Technologie" im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, und Wolfgang Hackenauer, Produktexperte Umwelt und Energie und Netzwerkpartner der Quality Austria, zum Thema "20 Jahre Umweltmanagement" über Meilensteine und Zukunftsperspektiven. Tschulik wies darauf hin, dass sich die europäische EMAS-Verordnung im Revisionsprozess befinde und der Entwurf zur neuen Fassung bereits vorliege. "Derzeit wird daran gearbeitet, die Anforderungen der ISO 14001:2015 vollständig in die EMAS-Verordnung zu integrieren", so Tschulik. Der Revisionsprozess werde voraussichtlich bis Jahresende 2016 abgeschlossen sein. Laut Hackenauer zeige die Erfahrung aus 20 Jahren Umweltmanagement, dass die zentralen Vorteile in der Rechtssicherheit und Senkung des Haftungsrisikos, der Ressourcenschonung, Kostenreduktion und der aktiven Einbindung sowie Motivation der Mitarbeiter liegen würden. "Das konsequente Umweltmanagement fördert die Gewinnentwicklung durch Kosteneinsparungen und das Image als nachhaltiges, effizientes Unternehmen", resümierte Hackenauer.

Auswirkungen des Verbauungstrends
Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender, Österreichische Hagelversicherung, zeigte in seinem Vortrag die Auswirkungen der fortschreitenden Bodenversiegelung auf. Österreich sei "Europameister" in der sorglosen Verbauung von fruchtbarem Boden. Täglich würden 20 Hektar Wiesen und Äcker verbaut werden - das entspreche der Größe von 30 Fußballfeldern. Böden hätten jedoch vielfältige wirtschaftliche und ökologische Funktionen. "Die Versiegelung landwirtschaftlicher Nutzflächen gefährdet die Versorgung der Bevölkerung mit heimischen Lebensmitteln und Arbeitsplätze in der Landwirtschaft nachhaltig", so Weinberger. Der Boden sei ein wichtiger Wasser- und CO2-Speicher. Durch die zunehmende Versiegelung könne bei starken Niederschlägen das Wasser nicht mehr versickern, wodurch das Hochwasser-Risiko steige. Der Bodenverbrauch fördere zudem den Klimawandel und somit auch die Zunahme von extremen Wetterereignissen. "Wenn jetzt nicht gehandelt wird, gibt es in rund 200 Jahren keine Agrarflächen mehr in Österreich. Da 95 Prozent aller Nahrungsmittel vom Boden kommen, ist er die Basis für das Leben!", appellierte Weinberger an das Publikum.

Lebensweg im Fokus
Henriette Gupfinger, Senior Consultant, denkstatt, stellte in ihrem Vortrag die Studie "Ethical Cooperation 2015/2016" vor. In der unter europäischen Unternehmen durchgeführten Studie wurden die Trends in der nachhaltigen Supply Chain analysiert. "Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Rückverfolgbarkeit das wichtigste Anliegen in der Lieferkette ist", so Gupfinger. Darauf würden Umweltanliegen, die Einhaltung der Menschenrechte und die Eliminierung der Abhängigkeit von nicht nachhaltigen Rohmaterialien folgen. Danach gab Gupfinger einen Überblick zu den Richtlinien und Standards, die eine Betrachtung der Wertschöpfungskette nach sozial-ethischen, ökologischen und finanziell-wirtschaftlichen Kriterien fordern. Beispiele dafür seien der UN Global Compact, die OECD-Richtlinien für multinationale Unternehmen, die Global Reporting Initiative sowie die Normen SA 8000, ISO 14001 und 50001.

Lebenswegbetrachtung als Innovationsfaktor
Anschließend sprach Erik G. Hansen, Head of the Institute for Integrated Quality Design, Johannes Kepler Universität (JKU), über die Lebenswegbetrachtung als Treiber von Produkt-, Dienstleistungs- und Geschäftsmodellinnovationen. Das Stiftungsinstitut sei im Oktober 2015 als fakultätsübergreifendes und interdisziplinäres Institut gegründet worden und behandle sowohl Aspekte der technisch-naturwissenschaftlichen als auch der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten. Da komplexe Fragestellungen mehrere Fachrichtungen umfassen würden, sollten diese miteinander vernetzt werden. Hansen zeigte in seinem Vortrag zahlreiche realisierte Beispiele in der Optimierung der Lebenswegbetrachtung von Produkten und Dienstleistungen auf, beginnend bei der Beschaffung von Rohstoffen über die Produktion, Reparatur und das Remanufacturing bis hin zur Entsorgung. Laut Hansen führe die Lebenswegbetrachtung zu Innovationen im Geschäftsmodell: "Es ist wichtig, dass man den Produktlebenszyklus an die Produktentwicklung koppelt, denn erst dann entsteht Innovation!".

Auf dem Weg zum Energieselbstversorger
Mit einem praxisnahen Einblick leitete Miklos Papp, Leiter technischer Bereich und Stabstelle Integriertes Managementsystem, ebswien hauptkläranlage, die Programmpunkte des Nachmittags ein. Die Hauptkläranlage Wien müsse eine Abwassermenge von rund 500.000 Kubikmeter pro Tag bei Trockenwetter verarbeiten. Bei Niederschlägen sei eine Abwassermenge von etwa 1,5 Millionen Kubikmeter zu bewältigen. Zur Abwasserreinigung benötige die Hauptkläranlage Wien jährlich rund 60 Gigawattstunden Strom. Das entspreche dem Stromverbrauch von 20.000 Wiener Haushalten oder einem CO2-Ausstoß von 40.000 Tonnen pro Jahr. Die Vision der ebswien hauptkläranlage sei, dass die Wiener Hauptkläranlage zum Energieselbstversorger werde. Als strategische Zielsetzungen würden die Steigerung der Energieeffizienz sowie Maßnahmen, die traditionelle durch erneuerbare Energieträger ersetzen, verfolgt werden. Die Optimierung der Innen- und Außenbeleuchtung sei ein Ansatz zur Energieeffizienzsteigerung. Darüber hinaus sollen nach Papp Solarthermie- und Photovoltaik-Anlagen sowie Wind- und Wasserkraft verwendet werden. "In Zukunft wird auch der Klärschlamm genutzt. Das Klärgas aus der Faulung wird in einem Blockheizwerk zu Strom und Wärme umgewandelt", erklärt Papp. Ab 2020 solle die Hautkläranlage Wien aus dem Klärschlamm von rund 1,8 Millionen Wienern Ökostrom erzeugen.

Dauerbrenner Rechtssicherheit
Wolfgang Hackenauer, Produktexperte Umwelt und Energie, Netzwerkpartner, Quality Austria, machte deutlich, dass 20 Jahre Umweltmanagement auch 20 Jahre gezieltes und aktives Rechtsmanagement bedeute, denn die ISO 14001 umfasse auch rechtliche sowie behördliche Verpflichtungen. Zertifizierte Organisationen hätten die Erfüllung relevanter Rechtsvorschriften gut im Griff, weil Geschäftsführer in der Erhöhung der Rechtssicherheit und der Senkung des Haftungsrisikos einen Mehrwert sehen würden, aber auch das Thema Verwaltungsstrafen gewinne an Bedeutung: "Es zeigt sich, dass Organisations- und Aufsichtsverantwortliche über mögliche Sanktionen bei Normübertretungen oft nicht Bescheid wissen", stellte Hackenauer fest. Wer verwaltungsstrafrechtlich verantwortlich ist, und wie oder an wen diese Verantwortung delegiert werden kann, sei nicht immer bekannt.

Umweltmanagement als Chefsache
Der Verfahrenstechniker Martin Nußbaumer, QUASI4U Consulting, Netzwerkpartner, Auditor und Trainer der Quality Austria, widmete sich in seinem Vortrag den Herausforderungen der ISO 14001:2015 aus Sicht von Unternehmen. Nußbaumer sei bereits seit 25 Jahren in den Bereichen Qualität, Umwelt und Arbeitssicherheit-Management tätig. Die praktische Erfahrung mit der am 15. September 2015 in Kraft getretenen neuen Norm zeige, dass Unternehmen mit den Anforderungen an Kontextanalyse, Führung und Planung ringen. Ziel der Kontextanalyse sei, ein umfassendes Verständnis über die eigene Organisation für die strategische Planung zu gewinnen und dabei externe und interne Themen, Erwartungen interessierter Parteien sowie den möglichen Einfluss des Umweltzustandes zu betrachten. "Die Anforderungen an die Führung sind gestiegen. Umweltmanagement ist mit der neuen Norm zur Chefsache geworden", betonte Nußbaumer. Weiters habe die Forderung nach der Lebenswegbetrachtung von der Beschaffung bis zur endgültigen Entsorgung bei vielen Unternehmen zu Unklarheiten geführt.

Einsparpotentiale konsequent nutzen
Zum Abschluss des Forums ging Axel Dick, Business Development Umwelt und Energie, Public Relations, Quality Austria, in seinem Vortrag "Vom externen Energieaudit zum Managementsystem - praktische Schritte" auf die Bilanz des Energieeffizienzgesetzes ein. Im ersten Jahr seien fast 11.000 Energieeffizienz-Maßnahmen umgesetzt und die geforderten Ziele hinsichtlich Einsparung sowie Steigerung der Energieeffizienz übererfüllt worden. Insgesamt gäbe es bei den Energiekosten ein Einsparpotential von mindestens fünf bis 20 Prozent. Große Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern, die im vergangenen Jahr ein verpflichtendes, externes Energieaudit durchgeführt haben, sollten die Ergebnisse als Grundlage für die Einführung eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 heranziehen. "Potenziale zu identifizieren ist der erste Schritt. Entscheidend ist jedoch, daraus Ziele und Maßnahmen mit den entsprechenden Zuständigkeiten abzuleiten und systematisch in das Management sowie die Geschäftsprozesse zu integrieren", erklärte Dick. Mit einem Energie-Effizienzprogramm könnten Unternehmen zudem ihre Profitabilität um bis zu zwei Prozent steigern. Auch durch organisatorische Veränderungen seien Einsparungen möglich. Selbst nach dem Auslaufen des Energieeffizienzgesetzes im Jahr 2020 sei Energieeffizienz nach wie vor gefordert. Infolge der "COP 21" in Paris arbeite man in den Ministerien intensiv an einer Energiestrategie 2030 mit Ausblick auf 2050. Das Grünbuch dazu soll laut Dick Ende April 2016 vorliegen.

Bildquelle: © Anna Rauchenberger

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