Flüchtlingsarbeit im CJD - „Wir leben als Vorbilder“

Veröffentlicht von: CJD - die Chancengeber
Veröffentlicht am: 09.05.2016 15:57
Rubrik: Gesellschaft & Kultur


Unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) aus der Wohngruppe des CJD in Frankfurt - christliche und demokratische Werte werden im Alltag gelebt, die Gleichberichtigung von Mann und Frau ist nicht verhandelbar.
(Presseportal openBroadcast) - „Es liegt in unserer Verantwortung als Christen, Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten bei uns Zuflucht zu gewähren“, meint Pfarrer Matthias Dargel, Vorstand des CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e. V. – die Chancengeber). Wie jedoch geht ein christlicher Träger damit um, dass der überwiegende Teil der Geflüchteten dem muslimischen Glauben angehört? Und wie reagieren Muslime darauf, dass sie von einer christlichen Organisation betreut werden? „Wir leben im Alltag unsere christlichen und demokratischen Werte“, berichtet Robert Schell, Fachbereichsleiter Kinder-, Jugend- und Familienhilfe in Frankfurt, „jedoch ohne den jungen Menschen ihre eigene Kultur, ihre eigene Identität und ihren eigenen Glauben zu nehmen.“

Schon seit 1994 – also lange vor der aktuellen Flüchtlingswelle – kümmert sich das CJD in der Region Rhein-Main um unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA). Zurzeit sind es 90 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 20 Jahren, überwiegend männlich und überwiegend muslimischen Glaubens. Der Großteil kommt aus Afghanistan, Eritrea, Syrien sowie Somalia. „Die haben alle traumatische Kriegserlebnisse hinter sich“, sagt Robert Schell. Auch von ihrer Flucht berichten die Jugendlichen Schlimmes: „Sowohl die Landwege als auch die Überquerung des Mittelmeers sind sehr gefährlich. Manche saßen unterwegs auch noch monatelang im Gefängnis.“

Trotzdem erlebt der Sozialpädagoge die jungen Geflüchteten als höflich, hilfsbereit und sehr motiviert, etwas zu lernen. Das CJD hat sich in seiner Arbeit den ‚Standards für den Umgang mit unbegleiteten Minderjährigen‘ des Bundesverbands unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BUMF) verpflichtet. Darüber hinaus hat es eigene, trägerspezifische Leitlinien für die Arbeit mit UMA verabschiedet, um den besonderen Bedarfen mit Blick auf Kultur- und Religionssensibilität, aber auch möglicher Traumatisierung gerecht zu werden.

„Wir leben als Vorbilder“, antwortet Robert Schell auf die Frage, wie demokratische und christliche Werte in der Praxis vermittelt werden. Demokratie zum Beispiel finde im Alltag statt: In den Wohngruppen gibt es einen Gruppenrat, der von den Bewohnern gewählt wird. Regeln werden zusammen diskutiert und erstellt. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau allerdings ist „nicht verhandelbar“ – so steht es auch in den Leitlinien des CJD. „Wir haben in unseren Gruppen viele Erzieherinnen und Pädagoginnen. Für unsere Jugendlichen ist klar: Die haben hier das Sagen!“. Das werde in der Regel auch von allen akzeptiert.

Christliche Feste werden gemeinsam gefeiert – „daran sind auch unsere muslimischen Bewohner sehr interessiert“, erläutert Robert Schell. „Aber wir beachten und respektieren natürlich auch Feiertage anderer Religionsgemeinschaften, wie jetzt im Juni den muslimischen Fastenmonat Ramadan.“ So entstehe ein Klima gegenseitiger Akzeptanz und Offenheit. Aber es gebe auch klare Regeln und Grenzen. Die Übergriffe in der Silvesternacht, die in Köln und anderen Städten auf Frauen stattgefunden haben, wurden in den Wohngruppen thematisiert und intensiv diskutiert: „Unsere jungen Flüchtlinge haben diese Vorkommnisse ganz klar verurteilt.“

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