Kritik an Schäuble: Menschen dürfen nicht sterben, damit Europa seine Existenzberechtigung behält

Veröffentlicht von: Diözesancaritasverband Rottenburg-Stuttgart
Veröffentlicht am: 29.06.2016 13:16
Rubrik: Recht & Politik


(Presseportal openBroadcast) - "Trotz Flüchtlingskrise Menschenrechte bewahren"

Stuttgart, 29. Juni - Empört äußerte sich Pfarrer Oliver Merkelbach, Caritasdirektor der Diözese Rottenburg-Stuttgart, über die Äußerung von Wolfgang Schäuble, Bootsflüchtlinge nach Nordafrika umgehend zurückzuschicken. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Europa seine Existenzberechtigung in der Bevölkerung zurückgewinnt, indem es sehenden Auges Menschen in den Tod schickt. Hier sollen Menschen wieder dorthin geschickt werden, von wo sie vor grausamen Menschenrechtsverletzungen, Kriegen und bitterer Not geflohen sind", so Merkelbach.

Schäuble hatte in Künzelsau gesagt, die Europäische Union solle zur Bewältigung des Flüchtlingszuzugs Flüchtlinge möglichst schnell nach Nordafrika zurückführen. Die Rücksendung von Bootsflüchtlingen will Schäuble als Bestandteil neuer Vereinbarungen der EU mit Libyen und anderen nordafrikanischen Staaten sehen. "Die Probleme der Welt sind jetzt vor unserer Haustüre angekommen. Wir dürfen diese Probleme nicht einfach an andere delegieren", so der Caritasdirektor. Vielmehr gelte es als Europäer und Christen, sich auf unsere ursprünglichen Werte zu besinnen, nämlich universelle Menschenrechte und Solidarität.

"Migrationspartnerschaften, die gerade im europäischen Rat verhandelt werden und sich an dem Flüchtlingsabkommen mit der Türkei orientieren, sind keine Antwort auf die Flüchtlingskrise", ist Merkelbach überzeugt. Es sei keine Hilfe für die Menschen in Not, wenn Libyen oder andere nordafrikanische Staaten von der EU Geld dafür bekämen, damit sie die Flucht der Menschen verhinderten.

Die Caritas Rottenburg-Stuttgart schließt sich Caritas Europa und weiteren europäischen christlichen Organisationen an. Sie artikulierten in einem Brief an die EU-Präsidentschaft, was jetzt von den europäischen und damit auch deutschen Führungspersonen erwartet werde: eine moralische, ethische und politische Führung, die die europäischen Werten "Menschenrecht und Solidarität" achtet.

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