Die Großkatze kehrt zurück: 16 Jahre Luchsprojekt Harz -

Veröffentlicht von: Besser Bad Harzburg - Stadtmarketing
Veröffentlicht am: 01.08.2016 12:08
Rubrik: Urlaub & Reise


(Presseportal openBroadcast) - Erfolgsgeschichte in Bad Harzburg hautnah erleben

Jahrhunderte nach ihrer Ausrottung, kehren inzwischen sogar große Wildtiere wie Bär, Wolf oder Luchs in die deutschen Wälder zurück. Artenschutzprojekte und verbesserte Umweltbedingungen ermöglichen den zumeist gefährdeten Tierarten die Wiederansiedlung. Eine echte Erfolgsgeschichte ist das Luchsprojekt Harz. In Bad Harzburg können Besucher sich auf die Spuren der deutschen Raubkatze begeben und sie sogar hautnah erleben.

Noch nie gab es in Deutschland so viele Wildtiere wie Rehe, Biber oder Wildschweine. Fischotter, Wanderfalken und Uhus sind in unsere Landschaften zurückgekehrt. Große Naturschutzgebiete, die moderne Waldwirtschaft und die Renaturierung begradigter Wasserläufe haben neben zahlreichen Artenschutzprojekten in den letzten Jahrzehnten für gute Lebensbedingungen in der deutschen Kulturlandschaft gesorgt. Wölfe und Luchse sind hierzulande zwar nach wie vor selten, aber auch sie erobern sich ihre alte Heimat allmählich zurück. Die meisten Menschen betrachten die - nicht immer konfliktfreie - Rückkehr der ehemals gefürchteten Tiere heute durchaus als wünschenswert. Äußeres Zeichen dafür sind Wiederansiedlungsprojekte bedrohter Tierarten wie das Luchsprojekt Harz. "Durch das erfolgreiche Projekt ist nicht nur der Luchs in seine alte Heimat zurückgekehrt. Es zieht auch viele Naturliebhaber an, die sich in Bad Harzburg und Umgebung auf die Suche nach den Wildkatzen mit den Pinselohren begeben", berichtet Ole Anders, Leiter des Luchsprojektes Harz.

Vom Aussterben bedroht: Der Luchs
Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) war einstmals in ganz Europa beheimatet. Vor knapp 200 Jahren wurde die größte europäische Katzenart jedoch in weiten Teilen Mittel- und Westeuropas ausgerottet. Laut Bundesumweltministerium gilt die Raubkatze nach wie vor als stark gefährdet. Der Eurasische Luchs wiegt ausgewachsen rund 20 bis 25 kg und ist ungefähr so groß wie ein Schäferhund. Er ist nach Bär und Wolf das drittgrößte Raubtier in Europa. Erkennungsmerkmale der Luchse sind Pinselohren, Backenbart und ein kurzer Stummelschwanz. In freier Wildbahn werden Luchse etwa 15 Jahre alt, in Gefangenschaft bisweilen sogar 25. Der Luchs ist ein Pirsch- und Lauerjäger, der seine Beute aus kurzer Distanz attackiert. Er beschleunigt dabei auf 70 km/h und tötet mit einem gezielten Kehlbiss. Hauptnahrungsquelle ist in Deutschland das Reh.

Luchsprojekt Harz
Die Bedrohung von Weidetieren und die Jagdkonkurrenz mit dem Menschen führten zur gnadenlosen Verfolgung der Raubkatzen. 1818 wurde der letzte Luchs im Harz erlegt. Fast zwei Jahrhunderte später unternahm das Land Niedersachsen Anfang 2000 in Zusammenarbeit mit der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. den ersten Wiederansiedlungsversuch in Deutschland. Im Rahmen des Luchsprojektes Harz wurden bis 2006 insgesamt 24 Luchse (9 Männchen und 15 Weibchen) in die Freiheit entlassen. Alle ausgewilderten Tiere stammen aus europäischen Wildparks. Vor der Freilassung konnten sie sich in einem vier Hektar großen Auswilderungsgehege im Nationalpark Harz an ihren neuen Lebensraum gewöhnen. "Inzwischen besiedelt der Luchs wieder den gesamten Harz und ist hier genauso heimisch wie Reh, Wildschwein oder Fuchs. Und jedes Jahr ziehen die Pinselohren wildgeborene Jungtiere auf", berichtet der Leiter des Luchsprojektes Harz, Ole Anders, über die erfolgreiche Wiederansiedlung.

Den Luchsen auf der Spur
Viele Reisegäste und Ausflügler hoffen, bei ihren Wanderungen rund um Bad Harzburg und durch den Nationalpark Harz einen Blick auf die Pinselohren zu erhaschen. "Doch als eher nachtaktive Einzelgänger, die Streifgebiete von mehreren hundert Quadratkilometern durchziehen, sind Luchse in freier Wildbahn für den Menschen meistens unsichtbar", weiß Ole Anders aus eigener Erfahrung. Deshalb ist man den nächtlichen Jägern beim Harzer Auswilderungsprojekt mit automatischen Kameras auf der Spur und schätzt, dass es im gesamten Harz etwa 50 selbständige Luchse und bis zu 40 Jungtiere gibt. Die Großkatzen werden dabei anhand ihrer individuellen schwarzen Fleckung eindeutig identifiziert. Durch GPS-Überwachung mit speziellen Halsbändern konnte außerdem nachgewiesen werden, dass eine Reihe von Luchsen schon weit jenseits der Harzgrenzen neue Reviere erobert hat.

Luchsgehege an den Rabenklippen
Um die Pinselohren auch für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen, hat die Nationalparkverwaltung in der Nähe von Bad Harzburg das Luchsschaugehege an den Rabenklippen eingerichtet. In zwei Gehegeteilen in Hanglage mit rund 10.000 qm Fläche leben derzeit fünf Luchse, die von einer hoch gelegenen Besucherplattform gut beobachtet werden können. Mittwochs und samstags finden öffentliche Luchsfütterungen statt, bei denen die Raubkatzen zum Greifen nahe sind. "Die Fütterungen sind wirklich sehenswert und inzwischen ein echter Besuchermagnet", berichtet Anders. 200 Schaulustige und mehr sind keine Seltenheit, wenn die Luchse von einem Nationalparkmitarbeiter mit großen Stücken Reh- oder Hirschfleisch - ganz naturbelassen mit Fell - gefüttert werden. Die Tierpfleger versorgen die Zuschauer außerdem mit interessanten Fakten über das Harzer Luchsprojekt und die Lebensweise der Pinselohren.

Premiumwanderweg Luchstour
Von Bad Harzburg aus erreichen Katzenliebhaber das Luchsgehege nach einer Fahrt mit der historischen Seilbahn auf den Burgberg in etwa einer Stunde über die ausgeschilderten Wanderwege oder mit dem Bus 875 (April bis November). Knapp 5 Stunden sollte man veranschlagen, um auf dem 16,4 km langen Premiumwanderweg Luchstour durch die schönen Harzer Wälder, über ruhige Waldwiesen und entlang malerischer Bachläufe zu den Raubkatzen zu wandern. Nach einer Einkehr in die urige Waldgaststätte an den Rabenklippen geht es über das Eckertal, die Molkenhauswiese und die Ettersklippen wieder zurück nach Bad Harzburg.

Weitere Informationen gibt es auch unter www.luchsprojekt-harz.de. (http://www.luchsprojekt-harz.de)

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Bildquelle: Ole Anders

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