"Wenn Mädchen die Chance auf Bildung bekommen, machen sie mit aller Energie etwas Gutes daraus" / Interview mit der SOS-Vorständin Ulla Sensburg zum Weltmädchentag am 11. Oktober

Veröffentlicht von: SOS-Kinderdörfer weltweit
Veröffentlicht am: 11.10.2016 09:16
Rubrik: Recht & Politik


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(Mynewsdesk) München - Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt sind Erfahrungen, die Millionen Mädchen in vielen Ländern der Erde täglich machen müssen. Der 11. Oktober wurde deshalb von den Vereinten Nationen zum internationalen Mädchentag erklärt, um auf die Rechte von Mädchen aufmerksam zu machen. Ein Interview zum Weltmädchentag mit Ulla Sensburg, Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit.

Der internationale Mädchentag möchte auf die weltweit vorhandene Benachteiligung von Mädchen hinweisen. Wovon sprechen wir hier ganz konkret?

Ulla Sensburg: Wir sprechen hier zum Beispiel über Kindersterblichkeit, die bei Mädchen im Alter bis zu fünf Jahren wesentlich höher ist als bei Jungen, weil Jungen oft besser versorgt werden. Oder über Kinderehen: Mädchen werden sehr oft noch vor ihrem 15. Lebensjahr verheiratet. Und dann sprechen wir über das Thema Bildungsgerechtigkeit: Mädchen haben in vielen Ländern einen wesentlich schwereren Zugang zu Bildung. Das sieht man vor allem daran, dass weltweit zwei Drittel der Analphabeten Frauen sind.

Welche Länder und Regionen sind denn in dieser Hinsicht besonders negative Beispiele?
Sensburg: Das sind Länder mit ausgeprägten patriarchalischen Strukturen, in denen mehr Jungen in die Schule geschickt werden und wo Jungs eher eine Chance auf ein eigenbestimmtes Leben erhalten, als Mädchen. Allerdings stelle ich immer wieder fest: Wenn Mädchen tatsächlich die Chance auf Bildung bekommen, machen sie mit aller Energie, die sie hineinstecken können, wirklich etwas Gutes daraus. Ich denke, diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen - weder in Deutschland noch in anderen Ländern.

Apropos Deutschland ? ist bei uns in dieser Hinsicht alles im grünen Bereich?
Sensburg: Ich denke, in Deutschland sind wir nicht ganz im grünen Bereich, aber ich glaube, wir sind schon sehr weit. Aber das ist kein Grund, sich auszuruhen: Wachsende Kinderarmut ist zum Beispiel zurzeit ein Grund, weiter auf dieses Thema zu schauen. Wenn Mädchen in den Beruf einsteigen, aber ihre Gehälter in vergleichbaren Jobs nach wie vor niedriger sind, haben wir noch Nachholbedarf.

Wie sehen Sie ganz grundsätzlich die Entwicklung? Gibt es auch Verbesserungen für die Situation der Mädchen?

Sensburg: Ich denke, in weiten Teilen der Welt verbessert sich die Situation. Die Themen Kindersterblichkeit oder Kinderehen sind mittlerweile von den Regierungen aufgegriffen. Auch im Bereich der Bildung bessert sich die Situation für Mädchen - allerdings langsam. So sagt die globale Nachhaltigkeitsagenda der Vereinten Nationen, dass eine chancengleiche, hochwertige und inklusive Bildung bis 2030 sicherzustellen ist. Dieses Ziel unterstützen wir natürlich auch bei den SOS-Kinderdörfern und tun alles dafür, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

Das Interview mit Ulla Sensburg zum Anhören finden Sie hier:

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Die SOS-Kinderdörfer sind eine unabhängige soziale Organisation, die 1949 von Hermann Gmeiner ins Leben gerufen wurde. Seine Idee: Jedes verlassene, Not leidende Kind sollte wieder eine Mutter, Geschwister, ein Haus und ein Dorf haben, in dem es wie andere Kinder in Geborgenheit heranwachsen kann. Aus diesen vier Prinzipien ist eine global agierende Organisation entstanden, die sich hauptsächlich aus privaten Spenden finanziert. Sie ist heute mit mehr als 560 Kinderdörfern und rund 1.900 weiteren SOS-Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Jugendeinrichtungen, Ausbildungs- und Sozialzentren, Krankenstationen, Nothilfeprojekte und der SOS-Familienhilfe in 134 Ländern aktiv. Weltweit unterstützen die SOS-Kinderdörfer etwa 1,5 Millionen Kinder und deren Angehörige.

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