Chirurgen haben auch nur zwei Hände

Veröffentlicht von: BioRegio STERN Management GmbH
Veröffentlicht am: 26.07.2017 17:08
Rubrik: Wissenschaft & Forschung


(Presseportal openBroadcast) - "Einschnitte - Einblicke": Medizintechniker und Ärzte im Dialog beim Workshop Bauchchirurgie

(Stuttgart/Tübingen) - Das Interuniversitäre Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart - Tübingen (IZST) und der Verein zur Förderung der Biotechnologie und Medizintechnik e. V. luden erneut gemeinsam mit der BioRegio STERN Management GmbH (http://www.bioregio-stern.de/de) Entwickler aus Medizintechnik-Unternehmen zum Workshop "Einschnitte - Einblicke" ein. Die Veranstaltung mit dem Schwerpunktthema Bauchchirurgie brachte fächerübergreifende Disziplinen wie Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Kinderchirurgie und Kinderurologie, Klinische Anatomie und Zellanalytik, Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie sowie Urologie und Gynäkologie an einen (OP)Tisch.

Mit Live-Übertragungen aus und praktischen Übungen im OP der Klinischen Anatomie ist die Veranstaltung "Einschnitte -Einblicke" alles andere als gewöhnlich. Um Entwicklern aus Medizintechnik-Unternehmen Probleme in typischen OP-Situationen aufzuzeigen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen, haben insgesamt sechs Ärztliche Direktoren des Universitätsklinikums Tübingen mit dem Fachpublikum am OP-Tisch diskutiert: Prof. Dr. Jörg Fuchs, Ärztlicher Direktor Kinderchirurgie und Kinderurologie, Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, Prof. Dr. Christian Schlensak, Ärztlicher Direktor Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Arnulf Stenzl, Ärztlicher Direktor Urologie, Prof. Dr. Bernhard Krämer, Stellvertretender Ärztlicher Direktor Gynäkologie sowie Prof. Dr. med. Fabian Bamberg, Stellvertretender Ärztlicher Direktor Diagnostische und Interventionelle Radiologie. Prof. Dr. Bernhard Hirt, Direktor des Instituts fur Klinische Anatomie und Zellanalytik der Universität Tubingen war Gastgeber und Moderator des Workshops und begrüßte die zahlreichen Fachbesucher im Hörsaal sowie die via Life-Stream zugeschalteten Studenten und Ärzte mit der programmatischen Ansage: "Wir zeigen Ihnen nicht die perfekte OP und die perfekte Anatomie, sondern wir zeigen Ihnen die Herausforderungen der Realität."

Auch Chirurgen haben nur zwei Hände
Zur Realität bei einem intraperitonealen Eingriff in der von Bauchfell überzogenen Struktur im Bauchraum sowie im Retroperitoneum, der Region hinter dem Bauchfell und dem eigentlichen Bauchraum, gehört, dass Retraktoren, also Spreizer, benötigt werden, die das Operationsfeld geöffnet halten, um beispielsweise einen Tumor an der Niere oder an den Eierstöcken zu entfernen. Die Wunschliste der Operateure hinsichtlich dieses medizintechnischen Standardinstrumentes war verblüffend lang: Die Retraktoren sollten besser verstellbar sein, damit während einer Operation einfacher die Position verändert werden kann. Sie sollten nicht nur aus Metall bestehen, da dieses Gewebe verletzen kann, sondern aus weicheren Materialien gefertigt werden. Sie sollten einerseits durchleuchtbar sein und andererseits selbst Lichtquelle sein sowie zusätzliche Analysefunktionen besitzen. Ein Operateur brachte die Forderung auf den Punkt: "Wir benötigten eigentlich acht Hände. Multifunktions-Refraktoren wären besser als Assistenten, die unter Umständen auch noch im Weg stehen."

In der Tiefe ist es dunkel
Zwei Oberärzte demonstrierten im OP der Anatomie "live" die Inzision - also die Öffnung - eines Bauchraumes sowie die Anwendung von Retraktoren, um anschließend die nächste Herausforderung sichtbar zu machen: "In der Tiefe ist es dunkel", fasste einer von ihnen das Problem der Visualisierung und Beleuchtung zusammen. Die Lösung aus Sicht der Ärzte: Die Beleuchtung sollte mit einem Kamerasystem kombiniert werden, damit alle an der Operation Beteiligten die gleiche Perspektive auf den Patienten haben. Die Kamera sollte der Hand des Chirurgen automatisch folgen können. Am besten wäre es, Lupenbrille und Kopflampe mittels Chiptechnologie zu einem kleinen, leichten System mit Kamera zu kombinieren. Wie bereits beim ersten Workshop wurde der Wunsch nach einer Tablet-Lösung zur Visualisierung der OP-Situation deutlich formuliert, damit sich die Operateure während des Eingriffs nicht nach Monitoren umdrehen müssen: "Die Ansicht des Operateurs auf den Bauchraum sollte direkt aufs iPad übertragen werden, das wiederum direkt neben der Inzision platziert ist", forderte Prof. Stenzl die Fachbesucher und Entwickler auf.

Kleine Instrumente - zu große Patienten, kleine Patienten - zu große Instrumente
Instrumente für minimalinvasive Operationen, beispielsweise der Laparoskopie, sollen immer kleiner werden - einerseits. Andererseits werden Patienten in Mitteleuropa immer korpulenter und es fehlen Instrumente, die entsprechend variabel dimensioniert werden können. Auch bei den kleinsten Patienten gibt es ungelöste Herausforderungen für die Medizintechnik wie Prof. Fuchs bedauerte: "Für Säuglinge sind leider keine miniaturisierten Instrumente für minimalinvasive Eingriffe erhältlich. Hier ist noch viel Bedarf."

Flicken: intelligent beschichtet. Nähen: wie von selbst
Doch nicht nur bei den Instrumenten, auch beim Material suchen Ärzte nach Innovationen. So werden zum Beispiel Patches (Flicken) zum Verschließen von Arterien seit Jahrzehnten aus Kunststoffen hergestellt, dabei wird längst intensiv an Tissue-Engineering-Lösungen, also der Züchtung von Gewebe, für eine Biologisierung des Materials geforscht. Überhaupt ist das Verschließen und vor allem das Nähen ein echtes Reizthema für die Operateure. Ligaturen, das Abbinden von Gefäßen etc., müssen unter schwierigsten Bedingungen hinsichtlich des Lichts und der Position im Bauchraum durchgeführt werden. Dabei ist es überlebenswichtig für den Patienten, dass Knoten fest sitzen. Der entsprechende Aufruf an die Medizintechniker lautete: "Alternativen zur herkömmlichen Gefäßnaht gesucht!"

Es gab also viel zu besprechen für die Medizintechniker und Mediziner an den OP-Tischen in der Anatomie. "Wir haben mit diesem Workshop wieder einen Nerv getroffen", freute sich Mitveranstalter und Geschäftsführer der BioRegio STERN Management GmbH Dr. Klaus Eichenberg. "Nach der ersten Veranstaltung im letzten Jahr wurden bereits konkrete Entwicklungsprojekte in Medizintechnik-Unternehmen initiiert. Und ich bin mir sicher, dass auch das Thema Kopf- und Halschirurgie im kommenden Jahr wieder Inspiration für neue Ideen bei den Entwicklern liefern wird."

Bildquelle: BioRegio STERN/ Michael Latz

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