Eine Liebe auf dem Lande, Eisengießer und Lokomotiven, Licht und Musik und ein Gleismädchen - Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

Veröffentlicht von: PRSeiten - der Presse- und Social-Media-Verteiler
Veröffentlicht am: 22.09.2017 08:14
Rubrik: Handel & Wirtschaft


4 preisgesenkte E-Books
(Presseportal openBroadcast) - Eines der ältesten Themen der Literatur ist eines der ältesten Themen der Menschen - die Liebe. Es mag wohl keine Zeit und keine mitunter noch so schwierigen Umstände gegeben, da sich nicht wenigstens ein Mensch in einen anderen oder zwei Menschen sich ineinander verliebt haben. Das war auch zu DDR-Zeiten im Sozialismus nicht anders.

Ein bisschen merkwürdig sind nur die gesellschaftlichen und geradezu ideologischen Umstände, unter denen das in dem auch mit einigem Abstand spannend und mit einem wiedererkennenden Vergnügen zu lesenden Buch ,,Rette mich, wer kann" passiert - eine Liebe auf dem Lande und zugleich der letzte der fünf Deals der Woche, die im E-Book-Shop www.edition-digital.de eine Woche lang (Freitag, 22.09. 17 - Freitag, 29.09.17) zu jeweils stark reduzierten Preisen zu haben sind. Aber auch in den anderen vier aktuellen Deals geht es in unterschiedlicher Weise um die Liebe, so zum Beispiel um die Liebe zur Kunst und zur eigenen Familie bei Renate Krüger, die das Leben und Werk des großen kleinen Malers Adolph von Menzel gewissermaßen in seinen Bildern lebendig werden lässt. Um die (verbotene) Liebe zur Frau eines Chans und um die (sehr verständliche) Liebe zum (eigenen) Leben und um noch viel mehr geht es in dem utopischen Roman ,,Der Geist des Nasreddin Effendi" von Alexander Kröger, dem eine ebenso verrückte wie faszinierende Idee zugrunde liegt. Unter anderem um die Liebe und Lust am Erfinden geht es in ,,Die rasende Luftratte" von Jurij Koch, von dem auch die zweite Geschichte ,,Rosinen im Kopf" dieses kombinierten E-Books stammt. Aber wie kommen die Rosinen in den Kopf von Mathis und was hat das alles mit seinem faulen Bruder Thomas zu tun? Und mit dem Kettenkarussell?

Um Liebe, oder zumindest um deren Vorstufe, um die nicht zu unterdrückende Sympathie eines Mannes zu einer Frau geht es zumindest in einer der Ego-Episoden von Dr.-Ingenieur Helmut Routschek, der seine literarischen, zumeist dem SF-Genre zuzuordnenden Arbeiten unter dem Pseudonym Alexander Kröger veröffentlicht hatte (siehe auch den dritten Deal dieser Woche). Diesmal aber erzählt ausnahmsweise nicht Alexander Kröger, sondern Dr. Routschek selbst ohne Pseudonym und aus dem eigenen Leben - wahr, heiter und besinnlich.

Apropos Heiterkeit. Die stellt sich auch beim (Wieder-)Lesen des bereits erwähnten fünften und letzten Deals der Woche von Heinz Kruschel ein - ,,Rette mich, wer kann". Aber ganz ehrlich, manchmal will man doch gar nicht gerettet werden, sondern einfach nur lesen, lesen, lesen. Warum? Weil es spannend ist. Und aus Liebe zur Literatur ... und zum Leben natürlich. Zum Leben der literarischen Helden.

Erstmals 1980 erschien im Kinderbuchverlag ,,Geisterstunde in Sanssouci. Bilder aus dem Leben Adolph Menzels" von Renate Krüger: Das riesige Bild, das Menzel malen soll, wird fast anderthalb Meter hoch und über zwei Meter lang werden. Es steht auf Menzels stabilster Staffelei, und er turnt auf Stühlen und einer Trittleiter davor herum wie ein Affe. Menzel weiß selbst, dass das unheimlich aussieht, deshalb darf ihn auch niemand dabei beobachten, nicht einmal Emilie, damit sie vor dem zwergischen Bruder nicht allen Respekt verliert. Anstrengend ist dieses Herumturnen, in der Linken die Palette auf dem Daumen, das Malbrett mit den angemischten Farben, in den Fingern ein halbes Dutzend Pinsel; in der Rechten den Pinsel, mit dem er gerade malt, und dann rauf, ganz unter die Decke, wo das Licht verflimmert und verglimmt und gerade noch die goldenen Ornamente sichtbar sind, dann wieder runter, vorsichtig mit dem Fuß tastend, zurücktreten und die Malerei aus einiger Entfernung prüfen. Ob das Licht auf dem Bild nun auch wirklich ganz lebendig ist? Man muss es mit den Händen greifen können. Die Autorin erzählt von dem kleinen und doch so großen Maler Menzel im Berlin des 19. Jahrhunderts. Einige seiner berühmten Gemälde sind hier zu Geschichten geworden: erbaulich, prächtig, vergnüglich, nachdenklich und allesamt unterhaltsam. Ein merkwürdiges Balkonzimmer wird gezeigt: durch die geöffnete Tür will eine neue Zeit herein. Es ist von einem König die Rede, der am liebsten Flöte spielt, wenn er nicht gerade auf dem Schlachtfeld ist. Es herrscht Gewitterstimmung, und es werden vornehme Damen gemalt und Soldaten und Kammerherrenzöpfe, Eisengießer und Lokomotiven und Licht und Musik. Und so geht das Buch über den großen kleinen Menzel los:

,,Ein Selbstbildnis: 1834
Also, Herr Erdmann Hummel, an mir soll es nicht liegen, ich führe jetzt Ihren Auftrag aus. Ich habe alle angefangenen Arbeiten weggeräumt, sitze an meinem Zeichentisch und zeichne mein eigenes Bild, ganz wie Sie es wünschen.

Ich bin es gewohnt, dass ich jedes bestellte Bild zeichne, ich muss ja schließlich meine Familie ernähren. Ja, lachen Sie nicht, Herr Hummel, Sie wissen schon, wie ich es meine. Ich bin zwar erst neunzehn Jahre alt, und in diesem Alter hat man eigentlich noch keine eigene Familie. Und doch! Seit Vater vor zwei Jahren gestorben ist -- er hieß übrigens auch Erdmann, genau wie Sie, Carl Erdmann Menzel --, muss ich allein für Mutter und Geschwister, die elfjährige Emilie und den achtjährigen Richard, sorgen. Und ich kann es. Ich habe es geschafft, meines Vaters Werkstatt weiterzuführen und sogar noch zu vergrößern. Und nun kommen Sie, Herr Hummel, einer der berühmtesten Maler Berlins, und geben mir einen Auftrag, der mir zwar kein Geld einbringen wird, dafür aber Ehre und Ruhm.

Sie wollen mein Selbstbildnis für den Berliner Künstlerverein. Und ich, so meinen Sie, soll Mitglied dieses Vereins werden, obgleich ich noch jung bin und die Kunstakademie nicht bis zum Ende besucht habe. Quatsch Kunstakademie, haben Sie gesagt, deine Kunstakademie ist die Natur, Menzel, halte du dich nur an die Natur. Du sollst einer von uns werden, und als Eintrittsgeld brauchen wir dein Selbstbildnis, und nun ran an die Arbeit, zeig mal, wie du aussiehst und wie du dich selbst siehst ...

Na schön, Herr Erdmann Hummel! Ich bin noch immer der Menzelzwerg, und daran wird sich wohl nichts mehr ändern, ich wachse nicht mehr. Meine Schwester Emilie ist fast so groß wie ich. Als sie am vorigen Sonntag zu einem Besucher sagte: ,,Warten Sie, ich werde meinen kleinen Bruder holen", da habe ich ihr eins hinter die Ohren gegeben, auch wenn es mir mehr wehtat als ihr. Aber schließlich bin ich das Oberhaupt der Familie ... Auch wenn ich noch immer nicht vom Stuhl aus mit den Beinen auf den Fußboden komme und sie baumeln lassen muss wie mein kleiner Bruder Richard. Mitglied des Berliner Künstlervereins! Bei diesem Gedanken aber fühle ich mich gleich viel größer. Und dafür will ich gern mein eigenes Bild als Eintrittspreis hergeben. Ich bin auch ziemlich neugierig, wie ich eigentlich aussehe, denn bis jetzt habe ich noch keine Zeit gehabt, mich selbst zu zeichnen. Ich hatte immer mehr als genug zu tun mit Abbildungen von Pferden und Kanonen, Pflanzen und Tieren, Handwerkern und ihren Hausbauten, Bauern auf dem Feld und im Stall. Eigenartig ist es, wenn man sich so gegenübersitzt, sich selbst aufs Papier bringen will. Es scheint so, als blicke mir aus dem Spiegel ein fremder Mensch entgegen, mit dem ich mich unterhalten muss, damit ich ihn besser kennenlernen kann.

Woher bist du gekommen, kleiner Menzel? Na, das weiß doch fast jeder! Aus Breslau sind wir hierher nach Berlin gezogen. Vater war in Breslau Lehrer, er hatte eine eigene private Schule mit lauter Mädchen, das war ein Geschnatter im Haus! Die Mädchen mochten ihn sehr, und wer wollte, konnte eine Menge bei ihm lernen. Aber er war nicht gern Lehrer, er wollte lieber zeichnen, die Natur beobachten, Bücher illustrieren, eben das, was ich jetzt tun darf. So gab er die Schule auf und bemühte sich um Aufträge zum Zeichnen. Aber Breslau ist zu klein. Schließlich verkaufte er unser Haus, und wir zogen nach Berlin. Es war ein schönes Haus, das wir da verließen. ,,Zur Goldenen Muschel" hieß es, weil über der Haustür eine Muschel aus Stein angebracht war. Gold habe ich an ihr freilich nicht gesehen, das war schon längst abgeblättert. Unser Haus hier in der Berliner Wilhelmstraße hat keinen Namen, nur die Nummer 39, und unsere Wohnung ist auch längst nicht so groß wie die in der ,,Goldenen Muschel".

Wie groß soll mein Bild eigentlich werden? Davon hat Herr Hummel nichts gesagt. Es darf nicht angeberisch werden, aber auch nicht zu klein. Dieses Blatt hier, denke ich, so groß wie eine Heftseite, wird wohl genügen. Und in welcher Technik? Ich werde es mit dem Bleistift probieren, damit arbeite ich am liebsten. Er muss ganz kurz sein. Es kommt mir dann immer so vor, als zeichne ich mit den Fingern. So wie jetzt. Ich habe nur noch einen Stummel in der Hand. Aber es geht leicht und schnell damit. Allzu lange darf ich mich mit meinem eigenen Bild auch nicht aufhalten, denn es wartet noch andere Arbeit auf mich, und ich will meine Auftraggeber nicht enttäuschen.

146 Jahre nach diesem Selbstbildnis und vier Jahre nach dem Erscheinen des Buches von Renate Krüger veröffentlichte Alexander Kröger als Band 186 in der Reihe ,,Spannend erzählt" des Verlages Neues Leben Berlin seinen Science Fiction-Roman ,,Der Geist des Nasreddin Effendi". Dem E-Book liegt die überarbeitete Auflage zugrunde, die 2013 im Projekte Verlag Cornelius GmbH, Halle unter dem etwas kürzeren Titel ,,Der Geist des Nasreddin" veröffentlicht worden war: Ein Mann erwacht in der Gegenwart auf dem Basar in Chiwa. Er erinnert sich, dass er wegen seiner Liebe zu einer Frau des Chans enthauptet werden sollte. Er glaubt Nasreddin Chodscha, der Volksheld und Schalk (der Eulenspiegel des Orients) zu sein. Da er geistig zunächst in seiner mittelalterlichen Welt verhaftet ist, stößt er auf Unverständliches und Ungeheures, auf Bekanntes und schrecklich Unbekanntes und stürzt so von einem spannenden Abenteuer ins andere. Der jungen Wissenschaftlerin Anora gelingt ein unerhörtes Experiment mit menschlichen Gehirnen, in dessen Folge spannende Verwicklungen für Aufregung und für eine ungewöhnliche Liebe sorgen. Anora folgt Nasreddins Weg, auf dem er seinem Image treu bleibt. In einer Rezension der Abteilung Literatur und Medien in der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft des Landesverbandes Hessen war über diesen Roman zu lesen: ,,Die raffinierte Mischung aus Märchen, Geschichte und SF ist äußerst spannend und witzig und kann den Leser jeden Alters durch ihre Spannung in Atem halten. Nebenbei vermittelt sie auf amüsante Weise eine gehörige Portion an historischem, völker- und länderkundlichem Wissen, ohne im Mindesten pädagogisch-lehrhaft zu wirken." Lernen wir also diesen Man kennen, der Nasreddin Effendi sein könnte. Wir sind am Beginn des ersten Kapitels und ,,In Chiwa":

,,Ganz behutsam drang es in sein Bewusstsein - als zersprängen Wassertropfen auf heißem Stein, und jedes Kügelchen verzischte mit eigenem Geräusch: Da murmelten Stimmen, ein Esel schrie; von dorther scholl das Knirschen eisenbeschlagener Räder auf Kies. Auch undefinierbares Brummen war zu hören. All das aber klang wie unter einem Tontopf hervor, gedämpft, entfernt, unwirklich.

Und dann war alles wieder vorbei, bis auf ein dumpfes Rauschen vielleicht, von dem man nicht wusste, ob es vom Umfeld oder von innen aus dem Kopf kam. Es schien, als bilde sich irgendwo einer jener Tropfen neu, würde schwerer und schwerer, bis er sich schließlich löst und abermals auf dem Stein zerschellt; denn wieder und wieder sprangen die Geräusche auf. Zu irgendeinem Zeitpunkt wurde ihm bewusst, dass sich der Abstand zwischen den Tropfen verringerte, als bahne sich das Wasser mehr und mehr Durchgang durch ein löchriges Gefäß.

Plötzlich gellte eine schrille Frauenstimme: ,,Willst du wohl den Apfel zurücklegen, du Schlingel!" Ein Kind rief: ,,Aua!" Gelächter kam auf. Dann drängte ein Mann: ,,He Onkelchen, wach endlich auf. Dein Zeug ist sonst verschwunden, bevor du einen einzigen Sum dafür eingenommen hast." Und wieder die Frau: ,,Dieser Gottlose wird sich einen angetrunken haben. Und Allah straft ihn mit einem Brummschädel, kein Auge kriegt er auf. Schaut ihn euch an, Leute, diesen Saufbold." Auf einmal rief der Mann in einem anderen Tonfall: ,,Komm, kauf! Die besten Trauben, die wunderbarsten Granatäpfel von Chiwa, süß und billig, eingefangene Sonne!" Und nach einer kleinen Weile murmelte er: ,,Der Scheitan soll dich holen!" ,,He, wach auf, du Taugenichts!" Diesmal war die Stimme des Mannes barscher, vielleicht vor Ärger, weil der Kauflustige seine Ware verschmäht hatte. ,,Dummkopf!", sagte die Frau gedämpft. ,,Seine Granatäpfel sind viel schöner als unsere, und er hat angeschrieben, dieser Esel, dass er fürs Kilo nur sechshundert Sum haben will. Der schnappt uns die Käufer weg. Lass ihn also in Ruhe, wenn Allah ihn schon mit Dummheit geschlagen hat."

>Basar, ich bin auf dem Basar!Ah! Gewürze!Basar?Wie stets?Ich lebe ja, ich lebe!Ein Irrtum des Emirs, eine Unachtsamkeit der Häscher? Ich lebe!Ich will leben!Nilufar - du bist gestorben, weil wir uns liebten. Glaube mir, ich bin dir gern in den Tod gefolgt. Es ist Allahs Wille, muss Allahs Wille sein, dass ich lebe.Wie, bei Allah, bin ich vom Richtplatz auf den Basar geraten? Und weshalb sind hier unverschleierte Frauen, ebenso viele wie Männer? Ah, es ist ein Traum, du träumst, Nasreddin, du bist in der Welt der Toten.Weshalb eigentlich meinem?Oh Allah!Ja, bin ich denn nicht in Chiwa?Doch Chiwa ...! Aber das Minarett? Was ist geschehen? Die Frauen ohne Schleier, ein falsches Minarett? Also doch tot, in einer anderen Welt. Aber in einer, die nicht minder schön ist.verputzten unterstützte das, viele wunderten sich darüber, aber wer ärgerte sich zum Beispiel nicht über das verzettelte Bauen in den drei benachbarten Dörfern? Fritze sagte: Jawoll, ich bin für Kooperation. Das war der zweite Grund. Da waren die Bauern empört. Sollen wir die Schwachen aufpäppeln? hieß es. Je größer der Haufen, desto schlechter wird es, und zuletzt verlieren wir noch unsere Selbstständigkeit; suchen wir uns Partner, die mehr leisten, wir sind keine melkende Kuh. Die vom Kreis wollen nivellieren und uns Krampen in die Ohren beißen. ,,Wenn Sie alle Argumente aufschreiben wollen, reicht der Platz in der Zeitung nicht aus." ,,Aber es kam zu einem Beschluss?" ,,Ja, schon." ,,War der Beschluss einstimmig?" ,,Klar, fast einstimmig." ,,Also war nicht nur der Schweinemeister dagegen?" Heilige Einfalt. Das gibt es doch, oder nicht? Auch die Zweifler sagten ja, als so kluge Bauern wie der Schönemann oder der lange Lüddecke von Adorf zum Beispiel dafür waren.

,,In Lüttjen-Wasserleben", sagte ich, ,,brauchten sie vor zwei Jahren noch zweihundertzwanzigtausend Mark Überbrückungskredit. Da sagte Hannes natürlich: ,Mit denen kooperieren wir nun, Mahlzeit, Leute! Da sind Hopfen und Malz verloren!'" ,,Und was sagten Sie dazu?" Was sollte ich dazu sagen? Ich hatte gerade die Lehrzeit beendet, saß in meiner Buchhaltung wie zwischen Baum und Borke und musste mit allen Bauern auskommen. Wenn sie in meinem Büro saßen, redeten sie sich alles von der Seele, ich war eine Art Blitzableiter, ein Abladeplatz für die täglichen Sorgen. Und so hörte ich mir auch die Zweifler an und dachte: Was sie sagen, hat auch was für sich, zurzeit läuft unsere Produktion gut, warum sollten wir jetzt ein Risiko eingehen?

Aber ich verstand auch den Schönemann. Und meine Mutter. Die sagte: ,,Begreif doch, Ille. Da soll der Lüddecke-Hans in seiner LPG einen Schafstall bauen, aber er hat für eine große Zucht wenig geeignetes Land und kaum Tradition. Bei uns aber wurden schon vor fünfzig Jahren Schafe gehalten, und wir haben das Bodebruch. Siehst du das nicht ein?" Natürlich sah ich ein. Natürlich war ich für die Kooperation. Aber ich sagte das nicht laut. Damals nicht. Für wen war ich eigentlich? Für die Zweifler, für die Bejaher, für die Verneiner? Ich wollte mich nicht von einer Gruppe festlegen lassen. Heute sagte ich zu dem Praktikanten Blume: ,,Nehmen Sie das Bauen. Wir einen Rinderstall, der Lüddecke einen und in Lüttjen-Wasserleben einen. Ist das nicht Unsinn? Einfacher und rentabler ist es, wenn die Rinder in einer LPG, die Schafe bei uns, die Bullen in Wasserleben gehalten werden ..." ,,Klar, das ist einleuchtend für jeden Bauern", sagte Blume und schrieb. ,,Der Lüddecke hatte das alles zu Papier gebracht, ein paar Varianten." ,,Der Nachbarvorsitzende?" ,,Ganz recht. Der von Adorf, der mit dem Rechenstift zur Welt gekommen ist." ,,Aber das griff die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen an, nicht wahr?" Der redet wie gedruckt, dachte ich und sagte: ,,Das greift sie noch heute an, weil es die Lebensbedingungen verändert, Jugendfreund." Er grinste. ,,Bist du auch in der FDJ?", fragte er.

Jetzt duzt er mich, und man kann dagegen nichts tun. Abstand, Ille, halte Abstand, sagte ich mir, zuckte mit den Schultern und nickte. Denkt er, wir leben auf dem Mond? ,,Dann könnten wir Du zueinander sagen", meinte er. ,,Das machst du ja schon", sagte ich. Wir lachten. Dann beugte er sich wieder über seine Kladde. ,,Also, der Eisberg hieß damals Lüttjen-Wasserleben ..." ,,Eisberg? Ach so, ja, und den Eisberg übernahm damals Ete Wengebrand." ,,Den möchte ich kennenlernen." ,,Fahr doch hin, mit dem Wolga nur fünfzehn Minuten." ,,Könntest du nicht mitkommen?" Bloß nicht, dachte ich und sagte: ,,Ich erwarte die Vertreter der Landwirtschaftsbank, die werden mich löchern, warum wir dieses Jahr keine Kredite in Anspruch genommen haben." Der Hauptbuchhalter blinzelte über seine Brille und meinte: ,,Fahr doch mit, Ille, ich bin ja hier. Du kennst ja alle. Man muss der Presse die Arbeit erleichtern, wir arbeiten ja alle an einem Strang."

So fiel mir mein Kollege Vorgesetzter in den Rücken. Ich ging die Treppe hinunter, auf den blauen Wolga zu und nahm wie selbstverständlich neben dem Fahrer Platz. Wenn schon, denn schon. Der Fahrer schmunzelte. ,,Ein blauer Wolga passt zu deinem weißen Kleid", sagte Blume, ,,himmelblau und weiß ..." ,,Der ist hainblau", sagte ich. Keine Ahnung, ob es hainblau überhaupt gibt, aber so was imponiert immer, und er nickte auch schon Beifall. Es roch nach Rauch und Wärme. Die großflächige Börde zeigte ein glattes Gesicht, sauber und duftend und glänzend, und der Wind fächelte sanft über die kleinen Hügel hin. Aus den Senken stieg Dampf auf. Ein Doppeldecker brummte drüber weg und streute Dünger.

Ete Wengebrand war nicht im Büro. Wir trafen ihn draußen vor einem Schlag Wintergetreide beim Singen, jawohl, der Vorsitzende sang, nicht mal schlecht, sondern laut und kräftig. Er strich sich über die wellige Schmalztolle, als er mich sah; in jungen Jahren wollte Ete mal Operettentenor werden, davon sitzt heute noch was in ihm. ,,Der Kollege ist von der Zeitung", sagte ich zu Ete, ,,deine Genossenschaft ist ein lohnendes Objekt für ihn." ,,Die Kooperation", verbesserte mich Blume und begann Ete gleich nach Lüttjen-Wasserleben zu fragen. Eine Sicherheit besaß dieser Junge, nicht viel Ahnung von der Landwirtschaft, aber immer frisch drauflos. ,,Der Eisberg ist getaut", sagte Ete fröhlich, ,,schaut euch doch um, alles wie geleckt! Und hier, wo wir stehen, war vor zwei Jahren Unkraut, unter dem Unkraut Klee. Und der Klee war als Vermehrungssaatgut aberkannt worden. Damals war mir das Weinen näher als das Singen." ,,Vorbei", sagte ich. Ich mag nicht, wenn man sich so lange bei der Vergangenheit aufhält und sich vor Stolz auf die Brust schlägt, ach, was sind wir doch gut, dabei fahren wir noch nicht immer in der richtigen Spur. Ete wandte sich an mich. ,,Damals sagtet ihr aus Branzleben: Mit denen sollen wir kooperieren? Die sollen wir mit aller Gewalt hochpäppeln? Prost Mahlzeit." ,,Ich habe das nicht gesagt", verteidigte ich mich. ,,Du hast nichts gesagt", warf Ete ein, ,,du sagst zu Dingen, die heikel sind, auch heute selten was." Rolf Blume lächelte mich an. Das war mir schon aufgefallen: Wenn kritische Worte laut werden, lächelt er. Ich glaube, dann denkt er nur an seine guten Zensuren. Eigentlich hat er einen schönen Mund, nicht schmal wie ein Strich, nicht wulstig, sondern groß und geschwungen.

,,Und heute?", fragte Blume. ,,Heute hat die Kooperation über fünftausend Hektar, wir sind sechs Betriebe mit drei unterschiedlichen Eigentumsformen, Genossenschaften, Volksgut, BHG, heute flutscht es, wat hätt de Lüt sick früher rackt und plackt." ,,Keine Probleme mehr?" Ete lachte laut. ,,Im Paradies leben wir nicht, Probleme passen sich einem höheren Niveau auch an, aber wir verzetteln uns nicht mehr."

Als wir zurückfuhren, spendierte Rolf Blume in ,,Flotts Höhe" eine Selters mit Geschmack. Drohend lag sein rotes Notizbuch auf dem Tisch. ,,Mich interessiert noch", sagte er, ,,warum die Kooperation vor zwei Jahren wieder zusammenbrach?" ,,Das ist nicht einfach zu erklären. Vielleicht war's zu früh, vielleicht misstrauten die Bauern den Theoretikern aus der Stadt, die alles so schön vorrechnen konnten. Und dann dieser komplexe Einsatz, der ganz danebenging. Ich denke mir, die Menschen waren noch nicht reif, und jeder Vorsitzende dachte nur an sein Scherflein, an den Gewinn für seinen Betrieb." ,,Um ein Karat Diamanten zu gewinnen", sagte Blume, ,,müssen zweihundertfünfzig Tonnen Gestein bewegt werden. Und von diesem einen Karat ist nur ein Bruchteil für Schmuck zu gebrauchen." ,,Das hast du schön gesagt." ,,Danke. Und wann wurde es nun besser?" ,,Zunächst gar nicht. Man half sich mal aus, verpumpte eine Maschine, mehr nicht. Der frisch geschneiderte Anzug Kooperation hing im Schrank, wir latschten in den alten Klamotten." ,,Das hast du nicht schlecht gesagt. Und dann?" ,,Voriges Jahr war es, da wurde ein Rübenkomplex geplant und sehr gut vorbereitet. Sozusagen der letzte Versuch. Die Vorsitzenden gaben sich große Mühe, alle zu überzeugen. Denn die Traktoristen sagten zu ihnen: ,Gut, wir tun euch den Gefallen, aber wenn es wieder nicht klappt, dann bleibt uns mit solchen Späßen fern.' Es klappte in der Komplexbrigade, der Ete Wengebrand erntete auf seinen Schlägen nicht hundertachtundachtzig Dezitonnen auf dem Hektar, sondern über dreihundert, und nichts blieb in der Erde, das war Spitze im ganzen Bezirk. Und kein Bauer und kein Schulkind buddelte mehr im November mit klammen Händen und unterm Schnee nach Rüben."

Rolf Blume schrieb wieder. Seine Selters wurde schal. Er sagte: ,,Für die Leser, weißt du, da muss das noch klarer werden, mit den Vorteilen der Kooperation und so ..." Ich überlegte und sagte schließlich: ,,Ein Beispiel. Bei uns steigt durch die Kooperation die Milchproduktion. Und warum? Früher stöhnten und zeterten doch die Bauern über das miese Futter." ,,Wann früher, Ille?" ,,Noch vor zwei Jahren, als wir noch nicht komplex ernteten, da wurde das Rübenblatt erst dann geräumt, wenn die Rüben vom Feld waren, also manchmal erst im Dezember. Dann war das Blatt längst schmierig geworden, aber nun haben wir frisches Futter, weil wir Rübe und Blatt sofort ernten, die Kühe geben mehr Milch, auf gutes Futter reagieren sie gern, weiß gekalkte Ställe allein machen's nämlich noch nicht." ,,Das Beispiel ist prima." ,,Ich weiß noch mehr." ,,Es reicht." Er klappte sein Notizbuch zu und meinte: ,,Ich verstehe das nicht. Du redest so positiv von der Kooperation, als müsstest du mich davon überzeugen." ,,Na und?" ,,Der Wengebrand meinte, dass du dich mit deiner Meinung immer zurückhältst. Stimmt denn das? Ich kann es nicht recht glauben." ,,Wenn so eine Sache neu anfängt", sagte ich, ,,dann hat sie immer zwei Seiten, und es ist noch gar nicht 'raus, welche mehr glänzt." ,,Aber für eine Seite sollte man sich doch entscheiden, auch wenn sie nicht glänzt auf Anhieb, meine ich. Das Glänzen kann sich auch später erst herausstellen." ,,Mit solchen Entscheidungen habe ich keine guten Erfahrungen gemacht, und schnell macht man sich Feinde." ,,Also weder ja noch nein? Weder Fisch noch Fleisch?"

Ich stand auf. Das war zu viel. Was bildet sich der Kerl ein? ,,Sie werden im Büro schon auf mich warten", sagte ich. Du bist ja so klug, dachte ich, du kannst dich nicht in meine Lage versetzen. Ja, ich lebe gern auf dem Dorfe, und ich liebe meine Arbeit, aber was wir hier tun, das soll von Dauer sein und nicht ein wildes Experimentieren. Vielleicht muss ich mich mehr mit der Theorie beschäftigen, man sollte wissen, wie das so in andern Ländern langgeht, der Blume weiß das bestimmt. Was soll ich ihm antworten? Ich muss mit allen Bauern auskommen. Aber dem breite ich doch nicht meine Seele aus wie ein Schaffell unter der Sonne zum Trocknen. Trotzdem gefiel mir dieser Blume, und es gefiel mir auch, dass er mir nicht gleich recht gab. Es gibt solche Jungen, die geben einem Mädchen gleich recht, weil sie meinen, dann schneller zum Ziel zu kommen. Aber Blume? Wollte er überhaupt bei mir zum Ziel kommen? Ille, du verfällst einem Wunschdenken. Im Wagen sagte er: ,,Das passt so gar nicht zu dir." ,,Was passt nicht zu mir?" ,,Diese vorsichtige Unentschlossenheit eines Bürokraten." Ich schwieg beleidigt, ich suchte nach einer Entgegnung, der ,,Bürokrat" traf mich hart, aber mir fielen nur zahme Argumente ein, wiederholen wollte ich mich nicht, darum hielt ich lieber den Mund. Ausgerechnet ich ein Bürokrat! Man muss taktisch klug handeln, wenn man tagtäglich hier arbeitet und mit unterschiedlichen Meinungen zu tun hat. Blume ist ein Stoffel.

An diesem Tage kam der Praktikant nicht in die Buchhaltung zurück. Hatte er schon genug Material für seinen Artikel? Fritz Schönemann tauchte auch wieder auf, lachend, die Mütze wie immer schief auf dem kantigen Kopf. ,,Alles überstanden, Ille? Schreibt er einen ungemein guten Artikel?" ,,Ich glaube schon." Dieser Blume, gefiel er mir überhaupt noch? Jetzt, nachdem er mich beleidigt hatte? Ich hatte die Nase gestrichen voll von ihm."

Aber zum Glück sind wir erst am Anfang dieses Buches, wir haben erst das zweite und das dritte Kapitel von ,,Rette mich, wer kann" von Heinz Kruschel hinter uns. Und da kann und da wird noch viel passieren zwischen den beiden Jugendfreunden, zwischen der Buchhalterin Ille und dem Aufschreiber Rolf. Wie sagt doch ein lebenskluges chinesisches Sprichwort: Haben Sie es schon gelernt, sich über Hindernisse zu freuen? Mitunter wird auch die Liebe durch Hindernisse erst so richtig schön und - dauerhaft haltbar. Ein schönes post-sozialistisches Gedankenexperiment zum Schluss: Ob Ille und Rolf wohl heute noch zusammen wären? Was meinen Sie? Und wie sieht eigentlich Ihrer Meinung nach ,,hainblau" aus?

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