Neu im Buchhandel! Flucht ins Wunderbare. Erzählung von Alexander Castell.

Veröffentlicht von: Historische Bücher - Klassische Literatur
Veröffentlicht am: 27.10.2017 13:27
Rubrik: Gesellschaft & Kultur


(Presseportal openBroadcast) - Geschichte von der Emanzipation einer jungen Frau, die sich nach dem Tod ihres Vaters, eines vermögenden Unternehmers, von ihrem Mann trennt und im Paris des 19. Jahrhunderts ein neues Leben beginnt.
Aus dem Inhalt:
Philipp hatte bis um zwei Uhr früh sich gemüht, um Usis Brief zu entziffern. Er hatte die hundert Stücke dieser wohl absichtlich bis ins kleinste zerrissenen Fetzen mit Stecknadeln auf den Tisch geheftet, sie wieder und wieder umgestellt, um einen Sinn hineinzubringen. Soviel er sah, war der Brief dreiseitig, aber auf der dritten Seite nicht beendet.
Usi hatte also den Gedanken gehabt, an ihre Mutter zu schreiben, und dann den Brief zerrissen, wobei das Kuvert mit der Adresse in der Briefmappe geblieben war.
Eines stand sehr bald fest: Usi wollte ihre Mutter benachrichtigen, dass sie nicht nach Berlin fuhr. Denn jene erwartete nach Usis Ankunft in Frankfurt Bescheid, wann sie sich in Berlin treffen könnten, ehe sie zusammen an ihr Gut an der Ostsee zurückfuhren. Daneben stand deutlich das Wort »Paris«. Soweit war Philipp schon nach einer Stunde. Aber dann kamen große Schwierigkeiten, Philipp fühlte sich auch zu aufgeregt. Während Minuten konnte er kaum mehr sehen. Er wollte sich keiner falschen Hoffnung, aber auch keiner Hypothese hingeben. Er wollte genau wissen, was geschah.
Gegen ein Uhr hatte er die erste Seite beisammen. Sie lautete deutlich, dass Usi nach Paris fahren und sich von Philipp trennen wollte. Die Erklärung dafür kam auf der Rückseite, wodurch Philipp gezwungen wurde, die fertige Seite wieder umzustecken.
Es war ungeheuer schwierig. Plötzlich kam er auf die Idee, die entzifferte Seite auf ein transparentes Papier zu heften, das er einfach von der Rückseite zu lesen hatte.
Um halb zwei Uhr wusste er, dass Usi seit ihres Vaters Tod von Woche zu Woche immer weniger die Unmöglichkeit gefühlt hatte, mit ihm zusammenzuleben. Dass sie lieber arbeiten, ein neues Leben anfangen wollte. Wie Philipp das Wort Arbeit entdeckte, hielt er sich den Kopf. Er musste jedenfalls sofort handeln.
Usi war mit dem Zug gegen elf von Basel abgefahren. Sie kam um halb sieben an der Gare de l’Est an. Wenn er in Dübendorf das Flugzeug sechs Uhr fünfzehn nahm, konnte er neun Uhr fünfundvierzig in Le Bourget landen. Da Usi mit Sicherheit annehmen musste, dass er von ihrem Plan nichts ahnte, würde sie wohl, welcherlei Pläne sie auch haben konnte, am ersten Tag im Hotel der Avenue Matignon absteigen. Dort würde er drei Stunden später als sie ankommen. Als er alles geordnet hatte, Briefe geschrieben, wegen Verabredungen, die er am folgenden Tag in Bern haben sollte, seinen kleinen Handkoffer gepackt, um nach fünf Uhr auf den Flugplatz zu fahren, legte er sich zu Bett. Und in diesem Augenblick gab er sich genau Rechenschaft, dass er etwas sehr Unsinniges tun wollte. Dass er in seinem Leben mit Usi die zweite Unklugheit beging. Die Art, wie er sie geheiratet hatte, war schon ein Widersinn gewesen. An der Börse hing der Wert eines Papiers vom Verhältnis von Nachfrage und Angebot ab. War es im Menschlichen anders? Er hatte sich mit seinem Ungestüm a priori entwertet. Freilich, hätte er sie auch bekommen, wenn er mit der Ruhe und Überlegung vorgegangen wäre, die er einer Finanzoperation entgegenbrachte?
Er war damals in einem großen Rausch gewesen. Um jenes Glückes wegen, das ihm jetzt unerhört, unwahrscheinlich erschien. Aber jetzt beging er die zweite Torheit. Usi hatte wenig Geld mit sich. Einen Scheck auf Berlin, den ihr wohl der Hotelier, der schon ihren Vater seit Jahren gekannt hatte, ohne Schwierigkeiten bezahlen würde.
Aber dann? Ihre Mutter konnte ihr kaum beistehen. Usi wollte arbeiten ... arbeiten ... Wusste sie, hatte sie auch nur die leiseste Ahnung, was Arbeit ist? Sie würde schreckliche Erfahrungen machen. Aber war es vielleicht nicht gut, wenn sie sie machte? Sie würde so eine Seite des Lebens sehen, die ihr sonst wohl nie zu Bewusstsein gekommen wäre.
Doch konnte sie nicht krank werden? Und würde sie in weiblicher Inkonsequenz nicht ihn für alles Bittere verantwortlich machen? Philipp drehte das Licht aus. Er musste noch zwei Stunden schlafen. Usis Ungerechtigkeit brachte ihn nicht in Zorn. Er suchte sie zu begreifen ... Er hatte ihr gegenüber nie mit irgendwelcher Vernunft handeln können.

Paperback, 168 Seiten
Taschenbuch: ISBN-13: 978-3-7448-8275-0 (9,90 €)
Auch als eBook erhältlich.

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