(Presseportal openBroadcast) - München/Brüssel, 24.09.09. Médecins du Monde veröffentlicht die zweite Untersuchung des „European Observatory on Access to Healthcare“ über den Zugang zur medizinischen Versorgung von Menschen ohne Aufenthaltstitel in Europa. Die Ergebnisse der Untersuchung basieren auf den Erfahrungsberichten von 1220 Menschen ohne Aufenthaltstitel aus elf europäischen Ländern. Analysiert wurden vor allem die Arbeits- und Wohnbedingungen der Betroffenen sowie ihr Zugang zu medizinischer Hilfe. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf der Situation von Kindern und schwangeren Frauen.
Eine restriktive Gesetzgebung, Informationsmängel, bürokratische Hindernisse sowie Diskriminierung führen zu Versorgungsmängeln:
- Gesundheitliche Probleme sind kein Migrationsgrund: Die befragten Menschen flüchteten vor allem vor Armut, Bedrohungen und Freiheitsentzug und emigrierten mit dem Ziel, ihren Kindern eine Zukunft zu sichern.
Die Gewalt, die sie vor, während und nach ihrer Migration erfahren haben, sowie ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen beinträchtigen ihren Gesundheitszustand erheblich.
- Die Betroffenen sind mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert, um Zugang zu einer Krankenversicherung, zur Vorsorge sowie zu medizinischen Leistungen zu erhalten.
- Die medizinische Betreuung der Betroffenen ist unzureichend: 45% der Gesundheitsprobleme wurden überhaupt nicht behandelt.
- Selbst schwangere Frauen und minderjährige Kinder erhielten keinen Schutz: Lediglich 48% der schwangeren Frauen wurden während ihrer Schwangerschaft betreut.
Eine zentrale Forderung: Die Einhaltung des Rechtes auf medizinische Versorgung in Europa
Ärzte der Welt - Médecins du Monde fordert das neu gewählte Europäische Parlament auf, einen Gesetzentwurf vorzulegen. Dieser soll einen gleichberechtigten barrierefreien Zugang zur medizinischen Versorgung aller in Europa lebenden Menschen – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus oder ihren finanziellen Möglichkeiten – zum Ziel haben. Eine strenge Trennung zwischen Gesundheits- und Einwanderungspolitik ist unabdingbar.
Wir fordern insbesondere:
- Das ausdrückliche Verbot jeglicher Übermittlung personenbezogener Daten an die Ausländerbehörden.
- Länderübergreifende und effektive Maßnahmen in allen europäischen Staaten, die besonders minderjährigen Kindern und schwangeren Frauen einen Gesundheitsschutz garantieren und einen freien Zugang zur Vorsorge sowie zu medizinischen und rehabilitativen Leistungen ermöglichen.
- Den Schutz von schwer erkrankten Einwanderern, für die kein ausreichender Zugang zur medizinischen Versorgung in ihrem Herkunftsland besteht. Diese Menschen dürfen nicht abgeschoben werden!
Ärzte der Welt und das Recht auf medizinische Versorgung in Deutschland : Pressekonferenz am 23. November in Berlin
In Deutschland bietet u.a. unser Projekt open.med in München eine basismedizinische Versorgung für Menschen ohne Krankenversicherung an. Als Teil des Netzwerkes von Médecins du Monde beteiligte sich open.med aktiv an der jetzt in Brüssel vorgestellten europäischen Studie und befragte Patienten, die ohne Aufenthaltstitel in Deutschland leben. Eine Pressekonferenz am 23. November in Berlin wird die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit vorstellen und das Thema speziell aus deutscher Sicht beleuchten.
Die Pressemappe sowie den vollständigen Bericht zur zweiten Untersuchung des „European Observatory on Access to Healthcare“ finden Sie auf unserer Webseite: www.aerztederwelt.org/infos-presse/publikationen.html
Ärzte der Welt ist der deutsche Zweig der internationalen humanitären Organisation Médecins du Monde (MDM). Wir unterstützen hilfsbedürftige Bevölkerungsgruppen in Krisensituationen - wie Krieg, Naturkatastrophen, Krankheit, Armut und Ausgrenzung.
International verbrieft und dennoch missachtet: Das Recht auf medizinische Versorgung in Europa
Veröffentlicht von: Ärzte der Welt
Veröffentlicht am: 25.09.2009 16:24
Kategorie: Politik, Recht & Gesellschaft
Veröffentlicht am: 25.09.2009 16:24
Kategorie: Politik, Recht & Gesellschaft
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Marion CHENEVASTel: 089-45 23 081-13
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