Ottmar Hörl "Begegnungen" im PAN kunstforum niederrhein (Emmerich am Rhein) vom 16. April bis 20. Juni 2010

Veröffentlicht von: Maisenbacher Artist Agent GmbH
Veröffentlicht am: 09.04.2010 09:18
Rubrik: Gesellschaft & Kultur


(Presseportal openBroadcast) - Dürer – Tizian – Rubens – Ingres – Manet – Beuys und Ottmar Hörl, so wie er sich im öffentlichen Raum eingeprägt hat, bringen das Madrider Museo del Prado, den Pariser Louvre, die Uffizien von Venedig, das nahe gelegene Schloss Moyland, Gent, Straubing und den Schwarzwald nach Emmerich am Rhein.

Die Ausstellung "Ottmar Hörl / Begegnungen" im Hauptraum des PAN kunstforums niederrhein ist eine künstlerische und gegenwärtige Auseinandersetzung mit dem Phänomen Kunstgeschichte.

Nicht umsonst wurden für die Einladungskarte die beiden Arbeiten "Eva" und "Adam" von Ottmar Hörl gewählt. – Beim ersten Betrachten wird man die vor 500 Jahren von Albrecht Dürer realisierten Arbeiten sehen. Wo "verbirgt" sich die kreative Auseinandersetzung von Ottmar Hörl? Er hat Adam und Eva bekleidet!

Wir betrachten Kunst zum größten Teil über Kataloge, weil wir gar nicht alle Museen auf dieser Welt besuchen können. Unsere Wahrnehmung von Kunst stützt sich also a priori auf die Rezeption über Kataloge.
Ich bin dann einfach einen Schritt weitergegangen und habe meine eigene Erfahrung beim Betrachten künstlerischer Werke aus zwei Jahrtausenden sowie diesen Sachverhalt, dass sich in mir ständig Bilder verändern oder verwandeln, auf die abgebildeten Werke übertragen.
Die Tatsache, dass bestimmte Künstler, die vor zwanzig Jahren für mich hochinteressant waren, auf einmal ganz langweilig erschienen, und andere, die für mich vollkommen uninteressant waren und die ich überhaupt nicht bemerkt hatte, auf einmal mein Interesse weckten, hat einen Impuls in mir ausgelöst.
Dieser Impuls der Veränderung bedingte eine künstlerische Situation, die zu einer tatsächlichen Veränderung führte: Ich habe praktisch mein eigenes Buch aus einem vorliegenden Katalog gemacht. Gestützt auf die Tatsache, dass ich dieses Buch auf eine Art und Weise ansehe wie kein anderer Mensch. Über die Anschauung von Kunst im Katalog des Prado in Madrid oder des Louvre in Paris entsteht ein eigenes Produkt.
Daraus resultierte mein Interesse, diesen Umstand des Persönlichen wie auch den der Veränderung in einer noch drastischeren Form darzustellen: indem ich im Katalog selbst Bilder verändere. Ich habe dabei kein schlechtes Gewissen, weil ich ja das Bild nicht zerstöre, sondern nur sage: Wie könnte ich mir ein Bild, das ich sowieso nur als Konserve sehe – wie kann ich diese Konserve für mich so verändern, dass für mich das Bild noch interessanter wird.

Eine Auswahl der dadurch entstandenen "Anmerkungen" von Ottmar Hörl ist im PAN kunstforum niederrhein ausgestellt. – Ausgehend von der veränderten Katalogabbildung entstanden die am Format des Originals orientierten Leinwand-Drucke. Unabdingbar erlebt der Besucher beim Betrachten eine Art "Zeitbrücke": Ein 100, 200 oder 500 Jahre zählendes "Museumsstück" wird mit einem Mal ein im Jetzt erlebtes Bild des 21. Jahrhunderts.

Man schafft ein neues Bild, indem man ein Bild nimmt, das für uns eigentlich kein Bild mehr ist. Denn wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der Dürer für seine Gesellschaft gearbeitet hat. Wir leben in einer Zeit, in der die Verfügbarkeit von Bildern in einem vollkommen anderen Zusammenhang steht als zu der Zeit, als es kein Fernsehen gab. Wir haben ein vollkommen anderes Bild-Erleben. Ich glaube, dass das ein interessanter Aspekt ist, den man nicht außer Acht lassen sollte: Man kann ein Bild von Tizian heute nicht mehr als Tizian sehen. Das, was Tizian uns anhand von Malerei aufgeschrieben hat, können wir nicht mehr lesen. Vielleicht ist es über kunsthistorische Schriften rekonstruierbar – wie ein archäologischer Fund, den wir erklärt bekommen müssen: Warum diese Vase so aussieht, die ein rituelles Gefäß für eine Bestattungszeremonie war – aber keine Blumenvase. Mag jemand eben dieses Gefäß in der Erde finden und vielleicht als Blumenvase aufstellen. Das ursprünglich für bestimmte Zwecke konzipierte Todes- oder Lebenssymbol erfährt 5.000 Jahre später eine vollkommen profane Verwandlung. Und nichts anderes mache ich auf eine bestimmte Art und Weise – und das tun wir fortwährend, da wir eine Geschichte haben.
Wir benutzen Geschichte, ohne die tatsächliche Bedeutung überhaupt nachvollziehen zu können. Darin steckt die Problematik. Und Künstler machen das einfach so – ganz spielerisch – wie ich, indem sie ästhetische Regeln verletzten, indem sie ein wertvolles Gemälde „besudeln“. Manche Leute würden sicherlich sagen: Der hat den Ingres besudelt. Dann muss ich sagen: Wir besudeln fortwährend unser Erbe, unsere Geschichte. Während meine Generation gelernt hat, sei sparsam, gebe nur das Geld aus, was du hast, haben wir heute eine Jugendgeneration, die erst einmal Schulden macht, sobald sie achtzehn Jahre alt ist. – Das hat mit Kunst zu tun, indem wir etwas davon lernen können, wie wir mit unserem Erbe umgehen. Das prinzipiell Falsche, das vor 100 Jahren falsch war, kann heute richtig sein. Weil die Bank sagt, wenn alle 18-Jährigen kein Geld mehr holen, sind wir pleite; wenn die nicht mehr über ihre Verhältnisse leben, dann haben wir ein Problem. Auch wenn meine Großmutter sagte, man solle nie über seine Verhältnisse leben. – Das ist die Idee, die Idee von Malerei: Die bildikonographische Idee – die Bedeutungsebene eines Kunstwerks – ist für uns heute nicht mehr rekonstruierbar. Wir sehen es nicht. Ich sehe da einfach nur nackte Weiber und weiß nicht, was Ingres damals seiner Gesellschaft sagen wollte. War es die Sehnsucht nach Kolonien in Afrika? War es eine muselmanische Reisebeschreibung von einem Harem – wie der Künstler sich das dann vorstellte –, ein Harem voller nackter Frauen? Ich kann mir das nicht vorstellen. Denn schon damals hat Ingres die Geschichte verfälscht. Und ich fälsche jetzt noch einmal.


Den Raum des zentralen Ausstellungsraumes definiert die dreidimensionale wie multiple Reminiszenz des Künstlers Ottmar Hörl an den das zwanzig Kilometer entfernte Schloss Moyland einnehmenden Künstler des 20. Jahrhunderts: Joseph Beuys (mit Hut, diesem von Beuys seit 1963 kultiviertem "Wiedererkennungsmerkmal").

Die Köpfe, die ich realisiere, stehen in einem unmittelbaren autobiographischen Zusammenhang. Die Porträts sind Anmerkungen zu der Idee, dass man eine Art des Vorbildes – im künstlerischen Sinne – akzeptiert und seine Arbeit als Fortführung, als Weiterentwicklung versteht.
Mich hat sein Werk interessiert, mich hat die Person Joseph Beuys interessiert. Ich bin Künstler, und die „soziale Plastik“ ist etwas, was ich im Prinzip auf eine bestimmte Art und Weise weiterführe. Joseph Beuys ist eine Person, die direkt mit meiner biographischen Entwicklung einhergeht.
Weil man diesen Menschen als Künstler schätzt, erklärt man mit einem Porträt seine Reminiszenz. Dass man sich sozusagen von diesem Menschen – als nächste Generation – hat inspirieren lassen.
Wenn ich die Idee der Beuys’schen sozialen Plastik für den öffentlichen Raum richtig verstanden habe, dann ist meine Auseinandersetzung damit wohl deren Inkarnation bzw. – im praktischen Sinne – die Pervertierung derselben. Ich habe sie in ihrer Entfaltung zugespitzt …
Beuys war ein Künstler, der Weltruhm hatte mit seinen Installationen, seinen Arbeiten zur documenta – er hat aber auch Kistchen gemacht, die 12 Mark gekostet haben. Wenn einen künstlerische Bewegungsformen, Gesellschaft interessiert, dann ist Beuys naheliegend. Beuys ist andere Wege gegangen. Multiples für die Gesellschaft – ich mache es noch extremer …
Im Untergeschoß des PAN kunstforums niederrhein wird die von Ottmar Hörl praktizierte Form der Kunst für den öffentlichen Raum, der Kunst für Jedermann, diese sicherlich "bekanntere" Komponente seiner künstlerischen Auseinandersetzung vorgestellt. Viele erinnern sich an die Installation mit 7.000 Dürer-Hasen in Nürnberg 2003, die Aktion 10.000 "Eulen nach Athen" zu den Olympischen Spielen 2004, die "Weltanschauungsmodelle" (ein Mann mit Fernglas) auf der Wuppertaler Wülfingtreppe 2005, den parallel zur documenta 2006 in Paderborn installierten 400 Schutzengeln oder der viel diskutierten und weltweit dokumentierten Installation "dance with the devil" im Jahr 2009. Bei der 1.250 "poisoned"-Zwerge mit ihren rechten Arm den Hitler-Gruß präsentierten.


Ein Schild mit der Aufschrift "Dunkelkammer" bezeichnet unmißverständlich diesen zweiten, dem Multiple gewidmeten – und somit von der Hauptausstellung getrennten - Raum:


Darin tummeln sich die "poisoned"-Zwerge und ein "Regelverstoß", diese in Ottmar Hörl's Arbeiten immer integrierte Notwendigkeit einer Irritation, einem in diesem Fall auf das Kunstforum projiziertes "Anders-Präsentieren": Einige "Erdmännchen" aus der Installation "Betriebsausflug" auf dem Schwarzwälder Hohenkarpfen setzen denselben in Emmerich fort...

Um das Verstehen der Intention für die Realisierung der "poisoned"-Zwerge (welche zuallererst die Eingangshalle zur Genter Lineart im Jahr 2008 markierten) eindeutig zu notieren, sei Ottmar Hörl ein weiteres Mal zitiert:

Der Zwerg zeigt, dass die von ihm symbolisierte Art des Denkens immer noch Teil unserer Gesellschaft ist. Wir sollten nicht die Augen verschließen, dass die faschistische, die diktatorische Konstante in einer Gesellschaft, das „Führer-Prinzip“, das Streben, Menschen zu manipulieren oder Menschen zu diktieren, dass diese Idee latent gefährlich und in unserer Gesellschaft nach wie vor vorhanden ist. Das heißt, dass alles, was in der Geste des Zwerges enthalten ist, immer noch Teil unseres gesellschaftlichen Modells ist.


"Ottmar Hörl / Begegnungen" vom 16. April bis 20. Juni 2010
im PAN kunstforum niederrhein (Agnetenstraße 2, 46664 Emmerich am Rhein)
Tel. 02822-53701-10 – mail: info@pan-forum.de – www.pan-forum.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr
Die Eröffnung findet am Freitag, dem 16. April 2010 um 18.30 Uhr statt.


Kontakt im PAN kunstforum niederrhein:
Christiane van Haaren M.A. (Kuratorin)
mob. 0170-3488.712 – mail: vanhaarenchris@aol.com

Kontakt für diese Presse-Information und Nachfragen:
Christoph Maisenbacher – Maisenbacher Artist Agent GmbH
mob: 0172-68.35.900 – mail: maisenbacher-art@t-online.de


Die Text-Passagen sowie die beigefügten Bilddateien können kostenfrei in Zusammenhang mit der Ausstellung "Ottmar Hörl / Begegnungen" verwendet werden!

Ottmar Hörl / Bildlegenden

_ ADAM, 2009, Print auf Leinwand [Albrecht Dürer / 1507 / Museo del Prado, Madrid], 210 x 80 cm
_ EVA, 2009, Print auf Leinwand [Albrecht Dürer / 1507 / Museo del Prado, Madrid], 210 x 80 cm
_ VENUS VON URBINO, 2009, Print auf Leinwand [Tizian / Uffizien, Venedig], 120 x 165 cm
_ JOSEPH BEUYS, Kunststoff-Multiple, Metall auf Metall-Sockel, etwa 158 x 35 x 41 cm
_ "POISONED"-ZWERG, 2008/2009, Kunststoff-Multiple, 41 x 17 x 19 cm


Pressekontakt:

Christoph Maisenbacher – Maisenbacher Artist Agent GmbH
mob: 0172-68.35.900 – mail: maisenbacher-art@t-online.de

Firmenportrait:

Die Maisenbacher Artist Agent GmbH betreut explizit die Öffentlichkeitsarbeit der Künstler Ottmar Hörl und Sven Hoffmann.

Bitte beachten Sie, dass für den Inhalt der hier veröffentlichten Meldung nicht openBroadcast verantwortlich ist, sondern der Verfasser der jeweiligen Meldung selbst. AGB | Haftungsausschluss.